Montag, 17. Dezember 2018

Telekom-Milliardär Patrick Drahi Der Mann, vor dem Telekom-Chef Tim Hoettges zittert

Alptraum der europäischen Telekomriesen: Altice-Chairman Patrick Drahi mischt mit seiner Kauforgie die Branche auf

Er kam aus dem Nichts und flößt mit seiner Kauforgie mittlerweile sogar der sonst so selbstbewussten französischen Politik Respekt ein. "Um eins klar zu stellen: Diese Kommission ist nicht zu verkaufen", läutete denn auch der Vorsitzende der Wirtschaftskommission der französischen Nationalversammlung kürzlich scherzhaft eine Anhörung Patrick Drahis ein. Eines Selfmade-Milliardärs, der dank milliardenschwerer Zukäufe innerhalb weniger Jahre zu einem der wichtigsten Telekom-Player auf dem europäischen Markt geworden ist.

Wenige Wochen nach der Anhörung in Paris steht schon das nächste Objekt der Begierde des 51-Jährigen fest: Bouygues Telecom, die Nummer drei auf dem französischen Telekommunikationsmarkt. Rund zehn Milliarden Euro will Drahi für die Telekomtochter des Mischkonzernes zahlen. Ein Zukauf, der ihn mit einem Schlag zum größten Telekomanbieter in Frankreich machen und auf Platz drei in Europa katapultieren würde.

Noch wehrt sich Bouygues . Die Offerte sei "unerwünscht", heißt es bei dem Traditionskonzern. Doch auch wenn der französische Traditionskonzern noch Widerstand leistet: Dass Drahi, wenn er sich einmal festgebissen hat, so schnell nicht mehr von seinen Übernahmezielen ablässt, hat der französisch-israelische Milliardär in der Vergangenheit bewiesen. Eine Erfahrung, die auch Bouygues schmerzhaft in Erfahrung geblieben sein dürfte.

Es ist nicht die erste Schlacht, die sich Drahi mit dem Familienkonzern liefert. Bei der letzten - der 17-Milliarden schweren Bieterschlacht um den zweitgrößten Mobilfunkanbieter Frankreichs SFR - zog Bouygues den kürzeren. Und das, obwohl die Dynastie, die in Frankreich in einem Atemzug mit Unternehmer-Dynastien wie Arnault, Pinault oder Decaux genannt wird, selbst die Politik aufbot, um im Machtpoker nicht den Kürzeren zu ziehen.

Von Null auf 27 Milliarden Euro

Als der damalige Wirtschaftminister Arnaud Montebourg den in Genf lebenden Drahi damals wegen seiner Steuertricks mit Niederlassungen in den Steuerparadiesen Guernsey, Luxemburg und der Börsennotierung in den Niederlanden anging und ihn auffordert, sein Vermögen nach Frankreich zu transferieren, antwortete der nur trocken: Drei Milliarden in Frankreich zu investieren, sei ja wohl Rückführung genug - und bekam den Zuschlag.

Drahi ist anders und agiert anders als weite Teile der französischen Wirtschaftselite, deren Gefilde er seit einigen Jahren aufmischt. Dabei kennt der eloquente Sohn jüdischer Mathelehrer, der erst als Teenager von Marokko nach Frankreich kam, die Denkweise der Akteure genau und fällt auch optisch mit seinen feinen Gesichtszügen, den dunklen Locken und perfekt sitzenden Anzügen im Heer der Wirtschaftführer der Grande Nation nicht auf.

In gewisser Weise ist er einer von ihnen. Hat die Eliteschmieden des Landes besucht: die école polytechnique, und dann an der École nationale supérieure des Télécommunications in Paris sein Diplom gemacht.

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