Dienstag, 11. Dezember 2018

Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes "Vom Hersteller hin zum Dienstleister"

Ford: Großhersteller - und in Sachen E-Mobilität? Bernhard Mattes gibt Antworten
Getty Images
Ford: Großhersteller - und in Sachen E-Mobilität? Bernhard Mattes gibt Antworten

Vier Räder und Sitze, mehr dürfte in Sachen automobile Zukunft nicht gesetzt sein. Wo geht es also hin? Ein Gespräch mit Bernhard Mattes, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke. Inzwischen wurde bekannt, dass Mattes in den Aufsichtsrat wechselt.

Zur Veranstaltung der manager lounge

mm.de: Die automobile Zukunft - wie weit muss man diesen Begriff eigentlich denken? Zum Beispiel bis hin zu ÖPNV-Anbindungsangeboten?

Mattes: Das Auto wird zwar nach wie vor eine zentrale Rolle spielen. In der automobilen Zukunft wird es im Sinne einer intermodalen Mobilität aber eine nahtlose Vernetzung mit anderen Verkehrsmitteln - sei es dem öffentlichen Nachverkehr oder E-Bikes - geben. Künftig wird es den Kunden viel weniger um den Fahrzeugbesitz als um das Mobilitätserlebnis und die Flexibilität gehen. Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz ist unser Ford Carsharing: Registrierte Kunden haben dabei nicht nur Zugriff auf die insgesamt 203 Ford Carsharing-Fahrzeuge, die bundesweit an 185 Standorten zur Verfügung stehen, sondern auch auf rund 4.000 Fahrzeuge von "Flinkster", dem Carsharing-Angebot der Deutschen Bahn.

mm.de: Wie gewährleistet man, bei solchen Themen nicht in alten Wegen, sondern "outside the box" zu denken?

Mattes: Wir beobachten die globalen Trends sehr genau, vernetzen uns mit kreativen Mobilitätsentwicklern und verfolgen bei allen Konnektivitätsentwicklungen das 'Open Source'-Prinzip. Anfang des Jahres haben wir für diesen Zweck die Tochtergesellschaft Ford Smart Mobility LLC gegründet, die sich mit der Entwicklung und dem Ausbau von Mobilitätsdienstleistungen befasst.

Zudem testen wir bestimmte Ideen als Pilotprojekte auch gezielt in einzelnen Märkten, die zum Beispiel bestimmte Merkmale aufweisen, oder deren Verkehrssituation besonders repräsentativ für ein Mobilitätsproblem ist. Anfang 2015 haben wir 25 dieser globalen Pilotprojekte vorgestellt, von denen viele mittlerweile abgeschlossen, oder in neue Projekte eingeflossen sind. Ein gutes Beispiel ist das intelligente Parksystem GoPark, das in London erprobt wurde und die Wahrscheinlichkeit anzeigt, in einer bestimmten Umgebung einen Parkplatz zu finden. Aktuell liegt unser Augenmerk vor allem auf zwei Feldern - der flexiblen Nutzung und Eigentümerschaft von Fahrzeugen und intermodalen städtischen Mobilitätslösungen.

Testen, Testen, Testen

mm.de: Welche Rolle spielen nationale Eigenheiten dabei für ein internationales Unternehmen? In Deutschland steht man dem autonomen Fahren beispielsweise skeptisch gegenüber, andere Nationen sind da offener.

Mattes: Bei unserem Smart Mobility Plan handelt sich um eine globale Idee, mit dem wir die künftigen Bedürfnisse unserer Kunden in einer sich wandelnden Welt erforschen und erfassen. Nationale Besonderheiten wie etwa das hohe Verkehrsaufkommen in der Megacity London können dazu führen, dass sich eine bestimmte Region für ein Pilotprojekt besonders anbietet oder bestimmte Anforderungen und Voraussetzungen für einen Mobilitätsservice aufweist.

Bei dem Thema autonomes Fahren kommt es dagegen aktuell eher darauf an, den praxisnahen Einsatz der Fahrzeuge kontrolliert in einem gesicherten Umfeld erforschen zu können, was zunächst weniger mit nationalen Besonderheiten zusammenhängt. Als erster Hersteller war Ford mit autonomen Fahrzeugen in "Mcity" unterwegs: Die University of Michigan/USA bietet uns dort mit ihrem groß dimensionierten Freiluftlabor ein Versuchsgelände mit stadtähnlichen Strukturen - mit Gebäudeattrappen und einem acht Kilometer langen Straßennetz. Ford betreibt unter den Herstellern weltweit aktuell eine der größten Testflotten autonom fahrender Fahrzeuge und hat zudem erst kürzlich angekündigt, ein autonomes Fahrzeug zu entwickeln, das ab 2021 in Großserie produziert werden soll.

mm.de: Wird ein Autounternehmen in zehn Jahren noch so aussehen wie heute?

Mattes: Unternehmen der Automobilindustrie befinden sich aktuell im Wandel vom klassischen Auto-Konzern hin zum Automobilhersteller und gleichzeitig Mobilitätsdienstleister. Seien es alternative Antriebe, autonome Fahrzeuge oder die vollständige Vernetzung von Fahrzeugen und Infrastruktur - Automobilhersteller stehen heute vor einer Fülle von Herausforderungen, bedingt durch große globale Megatrends: Dazu zählen die zunehmende Urbanisierung, die weltweit schnell wachsende Mittelschicht, daraus resultierende steigende Umweltanforderungen und Veränderungen des Käuferverhaltens. All dem muss der Auto-Konzern von Morgen schon heute gerecht werden und in neue Technologien investieren. Ford will dabei nicht nur ein Hersteller unter vielen sein, der individuelle Mobilitätslösungen anbietet. Mit unserem Ford Smart Mobility Plan mit seinen Kernelementen Konnektivität, Mobilität, Autonomes Fahren, geändertes Kundenverhalten sowie Daten und Analyse wollen wir führend in der Gestaltung dieses Wandels sein.


Das exklusive Netzwerk für Führungskräfte: Direkt zur manager lounge

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH