Donnerstag, 15. November 2018

Francis Sejersted Ex-Vorstand des Nobelkomitees verstorben

Der verstorbene Professor Francis Sejersted

Er war für einige der berühmtesten Friedensnobelpreisvergaben zuständig: Nach langer Krankheit ist der langjährige Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Francis Sejersted, in der Nacht zum Dienstag gestorben, wie seine Familie der norwegischen Nachrichtenagentur NTB mitteilte. Sejersted wurde 79 Jahre alt. Zu den von ihm ausgezeichneten Persönlichkeiten zählten im Jahr 1991 Myanmars Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, 1993 Südafrikas Anti-Apartheids-Held Nelson Mandela und sein langjähriger Widersacher Frederik de Klerk sowie ein Jahr später PLO-Chef Jassir Arafat und seine israelischen Verhandlungspartner Jizchak Rabin und Schimon Peres.

Der renommierte Historiker gehörte seit 1982 dem norwegischen Nobelkomitee an, zwischen 1991 und 1999 war er dessen Vorsitzender und damit für die Verleihung der Friedensnobelpreise zuständig. Nicht alle Entscheidungen waren damals jedoch unumstritten: Als Arafat, Peres und Rabin für ihre Bemühungen um den israelisch-palästinensischen Friedensprozess ausgezeichnet werden sollten, traten fünf Mitglieder aus Protest gegen die Vergabe an den Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation aus dem Komitee aus. Die Vergabe war zudem verfrüht: Bis heute tritt der Friedensprozess auf der Stelle.

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Sejersted zählte zu den weithin respektierten Denkern Norwegens. Er gehörte zahlreichen wissenschaftlichen Akademien an, war Autor vieler politischer und wirtschaftspolitischer Werke sowie Vorsitzender der Stiftung Fritt Ord (Freies Wort), die sich für die freie Meinungsäußerung einsetzte.

got/afp

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