Dienstag, 11. Dezember 2018

Ein Präsident sucht Halt Was die Körpersprache über Donald Trump verrät

So ist er wohl: Der neue US-Präsident Donald Trump.

Der Machtwechsel in den USA ist vollzogen. Bereits während der Amtseinführung verrät der neue Präsident viel über seine Persönlichkeit. Nicht nur durch die Worte, die er wählt, sondern auch durch seine Gestik und Mimik.

Die Zeremonie beginnt mit Obamas letztem Auftritt als scheidender Präsident. Lächelnd, plaudernd versprüht er Lockerheit und Souveränität als er die Treppe zur Angelobungsbühne betritt.

Wenige Minuten später folgt ihm Donald Trump nach. Bereits am ersten Blick zeigt sich, wie unterschiedlich ihre Körpersprache ist und welch unterschiedliche Gefühle sie bei uns auslösen.

Trump scheint auf jeden Schritt bedacht zu sein, bemüht eine Mimik, die fordert: "Ich will ernst genommen werden." Er weiß, dass er im Mittelpunkt steht - und er genießt es. Das zeigt unter anderem sein jovialer Blick in die Kamera.

Er will mit Usancen brechen - und betont das, indem er als einziger sein Jackett und den Mantel offen trägt.

Einsam und nervös

Durch seine Körpersprache signalisiert Donald Trump, dass er den Macher, den Boss geben will. Und doch ist er nervös und sucht Halt. Direkt nach dem Zwinkern in die Kamera sucht er Schutz und versteckt er sich hinter einem Mann.

Aber er weiß, dass niemand es wagen würde, ihm, dem Macher, der nie Schwäche zeigt, Halt zu geben. Nicht mal seine Frau. Dafür ordnet sie sich ihm viel zu sehr unter. Die Distanz zwischen den beiden ist von Anfang bis Ende der Zeremonie klar ersichtlich. Beim Begrüßungskuss berührt er sie nicht mal.

Bei der Verabschiedung wendet sich Trump den Obamas mehrfach zu und lässt seine Frau unbeachtet rechts stehen. Halt sucht er, indem er Körperkontakt herstellt, wie viele Männer es machen: Wenn ihnen selbst nicht auf die Schulter geklopft wird, klopfen sie eben auf andere. Und das macht er oft, sehr oft. Allerdings scheint er nicht zu wissen, wie man Menschen auf Augenhöhe begegnet. Er kennt nur "unter mir" oder "über mir". Putin war lange Zeit "über" ihm. Obama war für ihn immer schon "unter" ihm. Und so klopft er ihm immer von oben auf die Schulter - ein Signal der Dominanz.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen, durchbohrt er ihn gleichzeitig mit dem Zeigefinger.

Auch mit mantraartigen Worten beruhigt er sich selbst. Beim Hinaustreten auf die Bühne, sagt er x-mal "thank you, thank you".

Er sagt es ins Leere, bisweilen sogar Richtung Boden, denn er meint nur sich selbst damit. Eine typische Übersprungshandlung, um sich zu beruhigen.

Aufmerksamkeitsschwierigkeiten

Während der Zeremonie tut er sich sichtlich schwer, zuzuhören. Im Übrigen gleicht er da seiner Familie. Je gebannter unser Gehirn die Aufmerksamkeit auf etwas richtet, desto mehr friert unsere Körpersprache ein. Je uninteressanter es etwas findet, desto mehr sucht es nach Spannenderem. Trumps Augen suchen. Sie schweifen umher, mal zu Boden, mal in die Luft, er spielt mit seiner Mimik, pendelt mit dem Oberkörper. Ihm fehlt ganz offensichtlich die Ausdauer, anderen Menschen zuzuhören.

Die Rede

Und dann seine Rede. Das erste Drittel ist gut. Er beschreibt wie er die Macht dem Volk zurückgeben will. Da berührt er seine Zuhörer. Auch weil er ruhig, fast sanft wirkt, viele Worte enden fast gehaucht. Etwas stereotyp schiebt er mit seinen Händen die Worte vor sich her. Das wirkt etwas ungelenk. Geschenkt. Seine Pendelbewegungen zwischen den zwei Telepromptern sind zu ungeübt. Auch das geschenkt. Aber ab der Hälfte seiner Rede beginnt er mit seinen verbalen Rundumschlägen, die wir aus dem Wahlkampf kennen. Und schon trumpt er wieder. Handkantenschläge, Unterkiefer nach vorn und mit weit aufgerissener Mund wird er sehr laut. Diese Körpersprache will dominieren, sie duldet keinen Widerspruch und sie versprüht keine Zuversicht. Sie wirkt bedrohlich.

Nach seiner Rede haben andere das Wort. Aber Trump hört schon gar nicht mehr zu. Sein Blick wandert wieder, sein Gesicht grimassiert wieder.

Hier war ein Mann zu sehen, der nur zwei Zustände kennt: Entweder im Mittelpunkt zu stehen oder sich darauf vorzubereiten, im Mittelpunkt zu stehen.

Unser Gastkommentator Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten in Deutschland. Er ist Dozent und Autor zahlreicher Bücher. Verra ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH