Sonntag, 19. August 2018

Christopher Flowers Der Mann, der sich an deutschen Banken verhob, tritt wieder als Retter auf

J. Christopher Flowers: Bald Zugriff auf die HSH Nordbank?

Christopher Flowers ist wieder ein gefragter Mann. Wenn alles glatt geht, bekommt der New Yorker Finanzinvestor gemeinsam mit den Kollegen von Cerberus noch vor Ende Februar Zugriff auf die HSH Nordbank. Die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein verhandeln derzeit exklusiv mit dem Konsortium, der Zuschlag soll kurz bevorstehen.

Mehr als eine Milliarde Euro sollen die Amerikaner laut mehreren Berichten in die seit Jahren siechende Landesbank stecken, 700 Millionen Euro Kaufpreis plus ein Kredit in ähnlicher Höhe, um Kapital und digitale Infrastruktur zu stärken.

Die Landesregierungen können ihr Glück kaum fassen, obwohl sie ihren Bürgern dann wohl immer noch Verluste von mindestens 13 Milliarden Euro präsentieren müssen. Denn vor kurzem wurde noch allenfalls mit einem symbolischen Kaufpreis von einem Euro gerechnet. Verkaufen müssen die Länder - oder die Bank komplett schließen, so lautet eine Auflage der EU-Kommission für die Erlaubnis der üppigen Staatshilfe.

Dass jetzt doch Geld für diese Bank auf den Tisch gelegt wird, liegt daran, dass sie ihre Bilanz vorab deutlich verschlankt hat - über die interne Abbaubank, für die weiterhin die Steuerzahler geradestehen, teils mit großzügigen Schuldenerlassen zugunsten der heimischen Reeder.

Einen Teil der Risiken wie Forderungen an spanische Solarparks nahm auch Cerberus selbst der HSH Nordbank ab und half so mit, sie EU-konform verkaufsreif für sich selbst zu machen. Das Konsortium ist nicht einmal der einzige Bieter. Der größere Wettbewerber Apollo soll ähnlich viel Geld wie Cerberus geboten haben, hatte aber nicht Flowers an Bord. Der ist schon seit 2006 Aktionär der HSH Nordbank und genießt ein Vorkaufsrecht - plötzlich ein lukrativer Vorteil.

Es ist ein erstaunliches Comeback. Flowers und die HSH, das ist eine lange Leidensgeschichte. Kein privater Investor hat sich mit deutschen Banken in der Finanzkrise so die Finger verbrannt wie Christopher Flowers.

"Diese Beteiligungen sind nicht wirklich gut gelaufen", räumte Flowers im Herbst 2017 im "Handelsblatt" ein. "Aber heute bieten sich interessante Möglichkeiten im deutschen Bankensektor."

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