Donnerstag, 21. März 2019

Zwei neue Anklagen gegen inhaftierten Automanager Carlos Ghosn drohen bis zu 15 Jahre Haft

Ein Bild aus besseren Zeiten: Der ehemalige Nissan-Chef Carlos Ghosn (Bild Archiv)

Carlos Ghosn bleibt wohl noch Monate in Haft. Die Staatsanwaltschaft hat zwei neue Anklagen gegen den Manager erhoben. Seine Freilassung gegen eine hohe Kaution bis zu Prozessbeginn ist damit wenig wahrscheinlich. Dem Ex-Manager drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.

Renault-Chef Carlos Ghosn, seit Mitte November in Untersuchungshaft in Japan, wird seine Zelle wohl nicht so schnell verlassen können. Die Staatsanwaltschaft erhob am Freitag zwei neue offizielle Anklagen gegen den 64-jährigen Automanager, womit sich seine U-Haft erneut verlängert. Seine Anwälte beantragten zwar die Freilassung gegen Kaution - haben aber wenig Hoffnung, dass ihr Mandant bis Prozessauftakt Anfang März freikommt.

Ghosn war am 19. November festgenommen worden, am 10. Dezember wurde die erste offizielle Anklage erhoben. Laut Staatsanwaltschaft hat Ghosn in den Jahren 2010 bis 2015 ein zu niedriges Einkommen beim Autobauer Nissan deklariert, wo er lange Vorstandschef und bis kurz nach seiner Festnahme noch Verwaltungsratschef war. Zudem soll er sich persönlich an Firmenkapital bereichert haben.

Kurz vor Weihnachten kam der Vorwurf der Ermittler hinzu, Ghosn habe persönliche finanzielle Verluste auf Nissan abgewälzt. Die U-Haft wurde daher bis 11. Januar verlängert. Nun erweiterte die Staatsanwaltschaft die offizielle Anklage um zwei Punkte:

  • Ghosn soll sein Einkommen auch von 2015 bis 2018 zu niedrig angegeben
  • Der Manager soll zudem mit der Abwälzung eigene Verluste aus Devisenabsicherungsgeschäften während der globalen Finanzkrise 2008 auf Nissan abgewälzt haben. Damit hätte er sich des schweren Vertrauensmissbrauchs schuldig gemacht

Ghosn drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis

Ghosn hatte bei einer ersten öffentlichen Anhörung am Dienstag alle Vorwürfe bestritten. Sein Antrag auf Haftentlassung wurde aber zurückgewiesen. Das Gericht begründete dies mit Fluchtgefahr. Neben Ghosn sind auch Nissan und sein Ex-Mitarbeiter Greg Kelly angeklagt. Kelly wurde erst kürzlich gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Der Prozess soll am 10. März beginnen. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Freitag, Ghosn drohe eine Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren.

Auch Nissan selbst verklagt Ghosn, Renault sieht keine Verfehlungen

Nissan und der japanische Autobauer Mitsubishi hatten Ghosn kurz nach der Festnahme als Verwaltungsratspräsidenten abgesetzt. Bei Renault, der mit beiden Konzernen eine Allianz bildet, bleibt Ghosn offiziell der Vorstandschef. Renault erklärte am Donnerstagabend, eine interne Untersuchung der vergangenen zwei Jahre habe keinerlei Hinweise auf Betrug gegeben.

Das operative Geschäft bei Renault führt sein Stellvertreter Thierry Bolloré. Der französische Staat, der 15 Prozent der Anteile von Renault hält, hat bisher nicht erkennen lassen, dass Ghosn abgelöst werden soll.

Nissan hingegen kündigte am Freitag an, auch selbst Klage gegen Ghosn wegen "Missbrauchs einer großen Summe des Unternehmensvermögens" zu erheben. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nehme das Unternehmen "sehr ernst". Die firmeninternen Ermittlungen würden fortgesetzt.

rei/AFP/dpa-afx

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