Samstag, 23. Juni 2018

Klamme Tennislegende fahndet nach Trophäen Boris Becker will Pokale verkaufen - aber weiß nicht, wo sie sind

Da war's noch innige Liebe: Diesen Wimbledon-Pokal vom Turniersieg 1986 und mehrere weitere Pokale möchte Boris Becker zu Geld machen - doch er weiß nicht, wo die guten Stücke sind.

Hat etwa Erzrivale Michael Stich die Trophäen stibitzt? Sollte Ion Tiriac, jener undurchsichtige Manager und Milliardär aus Rumänien, seine Finger im Spiel haben? Oder wurden die kostbaren Pokale, die Boris Becker in seiner mehr als zehn Jahre währenden Karriere im Profitennis gewann, vielleicht gar eingeschmolzen, etwa um daraus das eine oder andere neue Hüftgelenk für ihren in die Jahre gekommenen Besitzer zu schmieden?

Spaß beiseite, schließlich hat die Sache einen einigermaßen ernsten Hintergrund: Boris Becker, deutsche Tennislegende und (Hass-)Liebling der Boulevardmedien, hat offenbar ein Problem. Im Rahmen des Insolvenzverfahrens, das gegen ihn in London läuft, würde er gerne die Pokale, die er im Laufe seiner Karriere gewonnen hat, zu Geld machen, um damit seine Gläubiger zu befriedigen. Doch Becker hat den Überblick verloren: Von einigen der Trophäen hat er offenbar keinen Schimmer, wo sie sich befinden.

Wie verschiedene Medien berichten, hat sich Becker deshalb jetzt an die Öffentlichkeit gewendet und um Hilfe bei der Suche gebeten. Insgesamt gewann Becker zwischen 1985 und Ende der 1990er Jahre 49 Titel im Profitennis, darunter sechs bei den besonders wichtigen Grand-Slam-Turnieren im Londoner Stadtteil Wimbledon, in Melbourne, in Paris und in New York. Mehr als ein halbes Dutzend der Pokale, die er dabei überreicht bekam, sind ihm jedoch inzwischen abhanden gekommen, so die Medienberichte.

Und bemerkenswert: Unter den gesuchten Stücken befinden sich offenbar auch alle drei Pokale, die er für seine Siege beim Turnier in Wimbledon erhalten hatte. Bei diesem vielfach als wichtigstes Tennisturnier der Welt bezeichneten Event begann mit dem Sieg 1985 Beckers Höhenflug. Den Center Court in dem Stadtteil Londons bezeichnete er gerne als sein "Wohnzimmer".

Die Frage scheint nun: Wie konnte Becker diese wichtigen Gegenstände überhaupt aus den Augen verlieren? Laut "Bild"-Zeitung war der Ex-Tennisstar davon ausgegangen, die Trophäen befänden sich bei verschiedenen Institutionen, etwa dem Deutschen Tennisbund oder dem All England Club in Wimbledon. Das ist aber nicht der Fall.

So bleibt nur die öffentliche Fahndung. "Wir verfolgen Spuren nach Deutschland, in die Schweiz, nach Spanien, Guernsey, in die USA, nach Australien und Jersey, um die Trophäen und andere Wertgegenstände wiederzufinden", zitieren Medien Mark Ford, einen der Insolvenzverwalter in Beckers Verfahren in London. Der Fall sei komplex, so Ford, und zwar selbst für einen Fachmann, der sich seit 20 Jahren mit Insolvenzen von Unternehmen und Privatpersonen beschäftigt.

Nach Angaben Fords wurde bereits mit beinahe 20 früheren Beratern Beckers gesprochen. Dutzende Banken seien zudem angeschrieben worden - doch bislang offenbar ohne großen Erfolg.

Hintergrund: Boris Becker steckt seit Monaten in einem Insolvenzverfahren, das ein Gericht in London in Gang gesetzt hatte. Eine englische Privatbank habe Forderungen in Höhe von etwa 3,5 Millionen Euro plus Zinsen, sagte Becker vor einigen Wochen in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung". "Die Forderung an und für sich bestreite ich nicht. Wir sind uns aber über die Höhe der Zinsen nicht einig." Seine Firmen Becker Private Office in Großbritannien und BB SARL in der Schweiz seien von dem Insolvenzverfahren gegen ihn als Privatperson nicht direkt betroffen, so Becker. "Es ist falsch, dass ich pleite bin", sagte der 49-Jährige.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Zuletzt arbeitete Becker als Experte für die TV-Sender Eurosport und BBC, weiter ist der frühere Weltranglistenerste für verschiedene Unternehmen als Werbegesicht tätig. Seit Ende August vergangenen Jahres ist er zudem Head of Men's Tennis des Deutschen Tennis Bundes (DTB) und trägt ehrenamtlich die Gesamtverantwortung für das männliche Spitzentennis in Deutschland.

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