Samstag, 15. Dezember 2018

Markus Duesmann BMW-Vorstand soll neuer Audi-Chef werden

Markus Duesmann hat bei BMW als Einkaufsvorstand gekündigt

Volkswagen ist bei der Suche nach einem neuen Audi-Vorstandschef offenbar beim Konkurrenten BMW fündig geworden. Markus Duesmann, bislang Einkaufsvorstand bei BMW, soll den Posten übernehmen, erfuhr manager-magazin.de aus Konzernkreisen. BMW selbst hatte am Montagabend den Abgang von Duesmann aus "persönlichen Gründen" verkündet, die Zukunft des Managers aber offen gelassen.

Volkswagen teilte Dienstagvormittag lediglich mit, der Aufsichtsrat habe entschieden, dem Manager einen Posten im Konzernvorstand anzubieten. "Es gibt noch keine Entscheidung über die Ressortverantwortung", betonte Aufsichtsratssprecher Michael Brendel. Duesmann werde seine Tätigkeit aufnehmen, sobald er dafür zur Verfügung stehe.

So schnell wird Duesmann beim Konkurrenten wohl auch nicht anfangen können. Denn sein Vertrag läuft noch gut ein Jahr. Anschließend würde eine Wettbewerbsklausel in seinem Kontrakt ihn noch ein weiteres Jahr an BMW binden. Audi und Duesmann hofften nun auf ein Entgegenkommen von BMW, heißt es aus den Kreisen.

Der gelernte Maschinenbauer arbeitet seit 2007 für den BMW-Konzern - zunächst im Formel-1-Team, ab 2012 als Leiter der Motorensparte. Oktober 2016 wurde er Einkaufsvorstand und hatte damit unter anderem die Sicherung der Rohstoffversorgung für die Batterien in künftigen Elektroautos im Blick.

Anfang Juli hatte der Manager einen Milliardenvertrag mit dem chinesischen Batteriezell-Produzenten CATL geschlossen, der unter anderem dafür ein neues Werk in Thüringen bauen will. Duesmann galt langfristig als möglicher Kandidat für den Vorstandsvorsitz bei BMW.

Duesmann wäre schon der zweite abgeworbene Top-Manager

Der Westfale Duesmann (49) wäre der zweite Topmanager, den die Wolfsburger von BMW abwerben. Herbert Diess war bereits im Jahr 2015 in den VW-Vorstand gewechselt. Seit dem Rückzug von Matthias Müller ist er Vorstandsvorsitzender, er dürfte hinter der Berufung von Duesmann stehen.

Stadler war Mitte Juni wegen seiner Verwicklung in den Dieselskandal verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dass er Zeugen oder Beschuldigte beeinflussen wollte. In dem Verfahren gegen Stadler geht es um Betrug und "mittelbare Falschbeurkundung" beim Verkauf von hunderttausenden Dieselautos auf dem europäischen Markt. Stadler hatte zuletzt Haftbeschwere erhoben. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft deshalb gegen 20 aktive und ehemalige Audi-Mitarbeiter.

Stadler weist die Vorwürfe zurück. Seine Rückkehr auf den Chefposten gilt in Konzernkreisen aber als ausgeschlossen, auch wenn es bislang offiziell hieß, Stadler werde nur vorübergehend von seinen Aufgaben entbunden, "bis der Sachverhalt geklärt ist, der zu seiner Verhaftung geführt hat". Vertriebsvorstand Bram Schott leitet derzeit die Geschäfte der Volkswagen-Tochter.

VW-Vorstandsmitglied Hiltrud Werner indes sprach sich im Interview mit der "Financial Times" (Dienstag) gegen eine vorzeitige Demission Stadlers aus. "Ich kann nur für mich sprechen, aber wenn jemand in dieser Art gedemütigt wird, gibt es aus meiner Ansicht keinen Grund für den Aufsichtsrat, ihn noch weiter zu demütigen", sagte die bei VW für Integrität und Recht zuständige Managerin der Zeitung. Stadler sei nicht angeklagt und die Ermittler hätten auch keine Beweise für ein Fehlvergehen vorgelegt.

rei mit dpa

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