Dienstag, 20. November 2018

Manager-Selbstmord als TV-Drama Ackermann und der tote Finanzchef

In Verteidigungshaltung geübt: Josef Ackermann bestreitet Mitschuld an Suizid des Zurich-Managers Pierre Wauthier

Ihre Themenwoche hat die ARD der "Zukunft der Arbeit" gewidmet. Anfangs ging es um die Frage, welche Jobs Roboter übernehmen werden. An diesem Mittwochabend Anfang November stand das Schicksal von Top-Managern im Fokus, die eben nicht wie Roboter funktionieren - und daran zerbrechen. Die unrühmliche Hauptfigur: Josef Ackermann, einst Chef der Deutschen Bank, danach Chairman der Zurich-Versicherung, bis der Selbstmord seines Finanzvorstands Pierre Wauthier ihn zum Rücktritt zwang.

Wauthiers Schicksal und die Rolle Ackermanns verhandelte die Dokumentation "Tod eines Managers" am 2. November (21.45 Uhr, ARD).

Die Frage, warum sich ein erfolgreicher Mensch, Objekt von Bewunderung und Neid, selbst aufgibt, lässt sich objektiv natürlich nicht abschließend klären. Das geben auch die Filmemacher zu.

Drastischer Abschiedsbrief: "Ackermann is the worst Chairman I ever met"

Aber sie stellen doch Ackermann in den Mittelpunkt - etwa indem sie den "unerträglichen Druck" thematisieren, von dem Wauthier in seinen Abschiedsbriefen schrieb. "Joe Ackermann is so far the worst Chairman I ever met", leitete der Manager einen der zwei Briefe ein. Wauthiers Angehörige leiten daraus eine Mitverantwortung des Ex-Deutschbankers ab.

Ein ehemaliger Top-Manager der Zurich, Mhayse Samalya, beschreibt Ackermanns Stil als brachial. Ackermann habe "mit Macht und Einschüchterung die ganze Kultur umkrempeln" wollen.

Ackermann selbst verteidigt sich gegen die Vorwürfe. Er kann sich auf einen entlastenden Untersuchungsbericht aus dem Jahr 2013 stützen. Aber gerade die Wut der Witwe Fabienne Wauthier entfaltet vor der Kamera natürlich mehr Wucht.

Die Verteidigungshaltung wird für den Mann, der einmal als bester Banker der Welt galt, allmählich Routine. Bald muss er wohl erneut vor Gericht, wo er immer noch für kontroverse Auftritte gut ist. Aus einem einst mächtigen Netzwerk ist Ackermann noch die Rolle als Chairman der Bank of Cyprus geblieben - mit russischen Oligarchen und knorrigen US-Investoren auf dem "Friedhof der Banker". Das ist zum Glück nur sinnbildlich gemeint. Für den Niedergang der Deutschen Bank werden auch seine seine strategischen Entscheidungen verantwortlich gemacht, mit der er die Frankfurter im globalen Investmentbanking mit Macht an der Spitze etablieren wollte.

Der Schweizer hat aber auch andere Seiten als feinsinniger und sogar geldkritischer Geist - einer, der durchaus in der Lage ist, die Frage nach dem Sinn seines Schaffens, nach Quellen des Selbstwertgefühls jenseits der Leistungsmarken für Manager vom Typus Ackermann zu stellen. Dafür bot der ARD-Abend einen weiteren guten Anlass.


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