Mittwoch, 17. Oktober 2018

Aufbruchsstimmung in der Wirtschaft - von wegen "Blindheit und Trägheit"

Handel, old-school: Doch wie sieht es mit Disruptionen aus?

Gern gefordert, selten umgesetzt - der Wandel in Unternehmen, das stete Hinterfragen. Doch nicht aus Mangel an Intellekt, sondern aus zwei ganz anderen Gründen. Analyst Simon Wardley kennt sie nur zu gut.

mm.de: Wie lange kann ein Unternehmen eigentlich abstreiten, sich ändern zu müssen?

Wardley: Das kommt auf die Industrie an, den Wandel der ansteht, die Wettbewerber, an der Frage, ob das Unternehmen ein Produzent oder Konsument ist und ob die Veränderung vorhersehbar und damit planbar ist oder nicht.

mm.de: Aha. Könnten Sie ein Beispiel dafür nennen?

Wardley: Der Wechsel vom klassischen Computer hin zum Cloud Computing, der war hochgradig vorhersagbar. Und hätte also vor einem Jahrzehnt vorbereitet werden können und nicht zu Disruptionen in Unternehmen führen müssen. Unglücklicherweise waren die meisten sich dieses anstehenden Wechsels nicht bewusst, des Tempos und des Einflusses, den er mit sich bringt.

Andere Veränderungen wiederum sind kaum vorherzusagen und Geschwindigkeit ist da die einzige Verteidigung. Mit anderen Worten - es gibt keine einfache Antwort.

mm.de: Und der Widerstand gegen Veränderungen?

Wardley: Da gibt es mindestens 16 verschiedene Spielarten, von denen sich viele mit Erfolgen in der Vergangenheit verstärken. Aber tödlicher ist die Blindheit gegenüber vorhersagbaren Veränderungen. Und die ist extrem verbreitet.

mm.de: Veränderungen werden oben eingefordert und müssen unten umgesetzt werden. Wie geschieht das im Alltag des Unternehmens?

Hier geht es zum exklusiven Event der manager lounge Wardley: Das kommt wieder auf das Umfeld an.

Die Techniken und Methoden, so einen Wandel zu gestalten, variieren - zum Beispiel kommt es darauf an, ob wir über etwas ganz Neues sprechen oder nur über die Differenzierung eines existierenden Gutes.

mm.de: Inwieweit spielt das Alter der Beteiligten eine Rolle - das Alter den Entscheider, aber auch des Unternehmens?

Wardley: Das Problem ist nicht das Alter, sondern Blindheit und Trägheit. Eine der größten und auch tödlichsten Quellen dieser Trägheit sind vergangene Erfolge. Denn dann setzt eine Veränderung ein - die Unternehmen nehmen Kunden für selbstverständlich. Das passiert meist auf dem Höhepunkt des Erfolgs.

mm.de: Wenn Sie sich einmal umsehen, welche Länder, welche Unternehmen sind da ein gutes Beispiel?

Wardley: Es gibt eine Handvoll Unternehmen und Regierungen, die zumindest ein hohes Maß an Bewusstsein dieser Situation demonstrieren - das ist schon sehr selten. Die überwältigende Mehrheit zeigt kaum oder gar kein Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Kunden oder anstehender Disruptionen.

mm.de: Und in konkreten Namen?

Wardley: Diese Ausnahmen sind Amazon, Haier und Netflix .


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