Mittwoch, 17. Oktober 2018

Das Karussell der Ewigen Die immer gleichen Chefs

Wer lenkt den Verein? Immer die Gleichen ...

Fußballtrainer und Wirtschaftskapitäne haben etwas gemeinsam - es rotieren immer die gleichen Namen über die Chefsessel. Warum eigentlich?

Ok, Jose Mourinho und Pep Guardiola können sich vermutlich nicht leiden. Trotzdem haben beide Fußballtrainer eines gemeinsam: Sie gehören zum Zirkel der Erwählten der Fußballwelt. Wird in einem der großen Vereine der Welt eine Position vakant, wendet man sich an MourinhoGuardiolaAncelotti & Co.. Nicht nur im Business mit dem grünen Rasen.

Das gleiche Bild zeigt sich in der Wirtschaft: Wolfgang Reitzle, Wolfgang Bernhard, Kasper Rorsted - wenn es um die Führungsriege in Deutschlands Vorzeigeunternehmen geht, fallen immer wieder die gleichen Namen. Die Namen des Pantheons der deutschen Wirtschaft, gewissermaßen. Warum eigentlich? Der Grund liegt auf der Hand. Oder vielmehr die Gründe.

Grund 1? Es ist die einfache Lösung. Statt nach einem aufstrebenden Entscheider zu suchen, einem unbekannten Denker, wählt man die bekannte Größe. So will es die Psychologie. Auch Investoren neigen dazu, mit dem Strom zu schwimmen. Wenn alle Tesla-Aktien loben, kann das nicht so falsch sein. Und wenn es schiefgeht, steht man nicht allein dumm da.

Hier geht es zum exklusiven Event der manager Lounge mit Urs MeierGrund 2 ist die logische Fortentwicklung der erstgenannten Ursache: Wer etwas wagt, steht im Falle des Scheiterns nicht nur dumm da - er verliert vielleicht auch seinen Job. Es ist also nur allzu menschlich, wenn die vermeintlich sichere Vorstands-Personalie gewählt wird.

In der Wirtschaft führt das übrigens, beobachtet ein Forscher der Universität Warwick, zu einer Uniformität. "Die Topmanager sind sehr kompetent, aber in ihren Kompetenzen nicht mehr zu unterscheiden", sagt Chengwei Liu. "Sie haben den gleichen Lebenslauf, sie reden gleich, sie kleiden sich gleich, sie waren auf den gleichen Universitäten, sie haben die gleichen Netzwerke und die gleiche Denkweise. Wenn es Leistungsunterschiede gibt, dann beruhen sie darauf, dass jemand zur richtigen Zeit am richtigen Ort war." Inzucht, könnte man auch etwas böse sagen.

Chengwei Liu schlägt daher vor, die Chefs gleich per Losverfahren auszuwählen.

Das wäre doch auch etwas für die Bundesliga, Premier League und Primera Division. Mourinho zum HSV, Guardiola nach Frankfurt? Und ähnlich qualifizierte No-Names nach Manchester oder München. Ein Abschied vom ewig gleichen Pantheon der Entscheider. Oder besser - eine Art Götterdämmerung.


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