Montag, 19. November 2018

Arag-Chef "Die Allfinanz-Mode ist erledigt"

Das Missmanagement mancher Banker hat das Ansehen der Finanzbranche ramponiert. Paul-Otto Faßbender, Mehrheitseigner der Arag-Versicherung, sagt im Gespräch mit manager-magazin.de, warum er aus diesem Imagegrund Tochtergesellschaften verkaufen muss und wie der neue Partner für die internationale Expansion der Arag heißt.

mm.de: Herr Faßbender, die Bundesbürger sind sauer auf die Milliardenjongleure unter den Bankern. Denn plötzlich müssen sie für deren wackelige Geschäfte gerade stehen. Doch jetzt trauen die Deutschen auch Versicherungen nicht mehr recht. Schockiert Sie das als Besitzer einer bekannten Versicherung?

Arag-Chef Paul-Otto Faßbender: Sieht sich als Familienunternehmer bestätigt
Faßbender: 44 Prozent der von uns kürzlich im Rahmen einer Imageanalyse befragten Bürger haben uns gesagt, dass sie der Versicherungswirtschaft ähnliche Bedenken wie den Banken entgegenbringen. Das ist nach meinem Geschmack ein sehr hoher Anteil. Das hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Nicht zuletzt, weil wir ein Gewerbe betreiben, in dem Vertrauen ein zentraler Teil des Geschäftsmodells ist.

mm.de: Haben Sie das Vertrauen der Bundesbürger vielleicht selbst mit aufs Spiel gesetzt?

Faßbender: Ich stelle mir sicher auch Fragen, in wie weit wir für diesen Vertrauensverlust verantwortlich sind. Und ich frage mich, was ich tun kann, um dieses Vertrauen aus eigenen Kräften wieder zu gewinnen.

mm.de: Könnte der Vertrauensverlust daran liegen, dass viele Bundesbürger ihre Versicherungen gar nicht mehr als Versicherer wahrnehmen, sondern als bankähnliche Gebilde?

Faßbender: Das ist meine Befürchtung, ja. Vielfach haben sich Versicherer zu weit in Bereiche vorgewagt, wie etwa der Vermögensberatung, die doch klassisches Bankengeschäft sind. Darüber ist über die Zeit wohl das Profil der Versicherer verloren gegangen.

mm.de: Die Konsequenz daraus wäre für Ihr Unternehmen hart: Der Rückzug aus all diesen Geschäften, die Sie nur noch unscharf als Versicherer erkennbar machen.

Faßbender: Ich denke, wir müssen diesen Schritt machen, um unseren Kunden wieder zu liefern, wofür wir stehen wollen: Eine individuell zugeschnittene Risikoabsicherung, die auch in Zukunft bezahlbar sein muss. Dazu zählen meiner Meinung nach auch weiterhin das Lebensversicherungsgeschäft und die Altersvorsorge, weil beides der Risikoabsicherung dient. Die Vermögensberatung dagegen ist nicht unser Geschäft.

mm.de: Hat die Finanzkrise die Allfinanzidee der Versicherungswirtschaft also beerdigt?

Faßbender: Diese Mode hat sich nach meiner Meinung erledigt, ja.

mm.de: Haben Sie bereits entschieden, von welchen Tochterunternehmen Sie sich trennen werden?

Faßbender: Wir werden weitere Bereinigungen in unserem Portfolio vornehmen, das steht fest. Dazu werden wir uns gründlicher auf das reine Versicherungsgeschäft fokussieren. Vermögensberatungsgesellschaften und Immobilienunternehmen hier in Deutschland zählen eher nicht dazu. Der damit verbundene Komplexitätsabbau wird uns gut tun.

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