Samstag, 25. Juni 2016

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Innovation im Mittelstand Zufällige Einfälle

Ohne neue Ideen und Produkte kein Wachstum - diese Erkenntnis hat sich im Mittelstand auf breiter Front durchgesetzt. Eine Studie offenbart jedoch, dass das Management von Innovationen oft hinter den hochtrabenden Ansprüchen zurückbleibt.

Hamburg - Politik und Wirtschaft sehen in der Innovationsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen die wichtigste Quelle für deren Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Nur wer seine Kunden mit pfiffigen Produktideen überrascht, kann im globalen Konkurrenzkampf bestehen.

Zündende Ideen zählen: Eine Studie offenbart schwere Mängel im Management von Innovationsprozessen
Tatsächlich ist das Wissen um diesen strategischen Zusammenhang im Mittelstand weit verbreitet. Dies belegt eine Studie des Berliner Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK), des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und der Unternehmensberatung K+K Wissenstransfer aus Köln, die manager-magazin.de exklusiv vorliegt.

Von rund 450 deutschen Mittelständlern, die Ende März an der Online-Umfrage teilnahmen, erklären 70 Prozent, sie würden Innovationsziele im Unternehmensleitbild verankern. 85 Prozent bezeichnen sich als innovationsfähig und rechnen mit Umsatzzuwächsen aus zukünftigen Innovationen.

So viel zur Theorie. Die Übertragung der guten Strategievorsätze in die Praxis allerdings bereitet vielen Mittelständlern Schwierigkeiten - auch das zeigt die Analyse. Nur 30 Prozent der Unternehmen geben ihren Mitarbeitern demnach die notwendige Zeit, um neue Ideen zu entwickeln. Weniger als 50 Prozent verfügen über einen definierten Innovationsprozess. Und 60 Prozent haben Probleme, Innovationen richtig umzusetzen.

Bei der Einbindung von Geschäftspartnern in den Innovationsprozess läuft es ebenfalls nicht rund. Zwar sehen 70 Prozent der befragten Firmen in den Kunden mögliche Entwicklungshelfer, aber nur 60 Prozent greifen tatsächlich auf deren Know-how zurück.

Die Hälfte der Studienteilnehmer investiert nach eigenen Angaben überdies nicht genug in Innovationen. 50 Prozent führen weder Markt- noch Wettbewerbsanalysen durch. Doch mit finanziellen Engpässe lässt sich die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit nicht vollständig erklären. Probleme bei der Kapitalbeschaffung und geringes Eigenkapital sehen die Befragten im Zusammenhang mit Innovationen eher unkritisch.

Ernüchterndes Fazit: Innovationen im deutschen Mittelstand beruhen zu über 80 Prozent auf dem Zufallsprinzip. Nicht fehlendes Geld, sondern der Mangel am intellektuellen Kapital bremst laut Studie die Umsetzung von Neuerungen. Bei kleinen und mittleren Unternehmen liegt demnach viel Potenzial brach, das bei gezieltem Ressourcen-Einsatz und gutem Innovationsmanagement den langfristigen Erfolg der Unternehmen sichern könnte.

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