Sonntag, 24. Juni 2018

Patente In Deutschland erdacht - im Ausland gemacht

Deutsche Tüftler sind Ideenweltmeister, doch Geld mit neuen Produkten wie MP3-Player, Hybridmotor oder Faxgerät verdienen meist ausländische Unternehmen. Dabei könnte Deutschland geistige Schätze im Wert von mehreren Milliarden Euro heben - wenn Unternehmen mehr Teamgeist zeigen.

Hamburg - Apple hat Grund zum Feiern. Mehr als zwei Milliarden digitalisierte Songs hat die US-Firma bereits über ihren Onlineshop iTunes verkauft. Der Gewinn kletterte 2006 auch dank des überragenden Erfolgs des MP3-Players iPod auf 1,3 Milliarden Dollar. Beim Fraunhofer-Institut in Erlangen, das an der Entwicklung der MP3-Technik maßgeblich beteiligt war, fällt die Feier verhaltener aus: Die deutschen Forscher verbuchen zwar jährlich Lizenzgebühren in Millionenhöhe, doch die zahlen Apple Börsen-Chart zeigen, Microsoft Börsen-Chart zeigen und andere MP3-Nutzer weltweit aus der Portokasse.

Oder der Hybridmotor. Das erste Auto, das wechselweise mit Elektro- und Verbrennungsmotor fuhr, war 1973 ein umgebauter VW Bully. Die Ingenieure der Technischen Hochschule Aachen holten sich mit ihrem Prototyp jedoch eine Abfuhr bei deutschen Autobauern. Heute beherrscht Toyota Börsen-Chart zeigen mit dem Modell Prius diesen Markt, und deutsche Autohersteller mühen sich in hektisch geschmiedeten Allianzen, ihren Rückstand aufzuholen.

Oder das Fernsehen. Die erste vollelektronische Fernsehübertragung entwickelten Siegmund Loewe und Manfred von Ardenne im Jahr 1931. Der AEG-Techniker Walter Bruch setzte 1963 mit dem Farbfernsehstandard PAL noch eine Innovation drauf. Inzwischen ist AEG pleite, und dass deutsche Unternehmen im Bereich Fernsehelektronik nur noch eine Nebenrolle spielen, kann man in jedem Media-Markt besichtigen. Die Serie der verpassten Chancen lässt sich fortsetzen (siehe Bildergalerie).

Deutsche Tüftler sind Weltmeister nach Ideen, aber Amateure in der Umsetzung. "Amerikaner und Asiaten sind immer noch besser, was die Umsetzung in marktfähige Produkte betrifft", sagt Karsten Müller, Vorstandschef der Beratungsgesellschaft für Patentbewertung und -verwertung IP Bewertungs AG (IPB). Beim Europäischen Patentamt in München reichten deutsche Einzelpersonen und Unternehmen im vergangenen Jahr knapp 26.000 Anmeldungen ein - gemessen an der Einwohnerzahl ist kein Land kreativer. Nach Anzahl der bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum in Genf eingereichten internationalen Patente rangiert Deutschland mit 17.000 hinter Japan (27.000) und den USA (50.000).

Doch das Land der Ideen weist auch alarmierende Daten auf.

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