Samstag, 23. Februar 2019

D&O-Versicherung Schutzweste für Manager

2. Teil: Wie schnell ein Millionenschaden entsteht

Wie schnell ein Millionenschaden entsteht

Grundsätzlich werden über eine D&O-Versicherung nicht das operative Tagesgeschäft, sondern nur die Aufgaben versichert, die im direkten Zusammenhang mit der Leitung eines Konzerns stehen.

"Trend zu Anfechtungsklagen hält an": Joachim Leuther, Vorstand des Spezialversicherers Hiscox
Dabei wird übrigens nicht nach Fachbereichen unterschiedlich berechnet: Da die D&O-Versicherung durch das Unternehmen abgeschlossen wird, sind die Führungskräfte quasi unter einem Hut versichert - und damit für alle Fälle mit gesamtschuldnerischer Haftung vorbereitet. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass die Bereiche Strategie, Betriebsorganisation und Finanzen "ein überdurchschnittlich hohes Gefahrenpotenzial darstellen" (Hiscox).

Wie schnell es einem Topmanager passieren kann, dass er für hohe Haftungssummen aufkommen muss, zeigt ein anonymisierter Beispielfall von Hiscox: Der Geschäftsführer einer Hospital GmbH soll eine Krankenhauserweiterung planen und umsetzen. Unter anderem ordert er maßgeschneiderte Regalsysteme für den Neubau.

Die werden fachgerecht und stabil montiert. Leider stellt sich aber bei der Bauabnahme heraus, dass sie nicht den Brandschutzvorschriften entsprechen. Der folgende Aus-, Um- und Neueinbau kostet 600.000 Euro - armer Geschäftsführer. Denn: "Er wäre im Rahmen der Auftragsvergabe verpflichtet gewesen, die Einhaltung der Brandschutzvorschriften sicherzustellen", kommentiert Hiscox. D&O-versichert gestaltet sich der Fall für den Gebrandmarkten finanziell aber neutral.

Abfindungen mit Rechenfehler

Zweites Beispiel: Die Immo AG hat zahlreiche Tochtergesellschaften. Eine davon zählt 100 Mitarbeiter und soll liquidiert werden. Der Geschäftsführer der GmbH verhandelt mit den Mitarbeitern über deren Abfindungen. Dabei erhalten diejenigen Mitarbeiter, die weiterhin im Konzern beschäftigt werden, eine Abfindung von 50.000 Euro wegen der mit dem Wechsel des Arbeitgebers verbundenen Umständlichkeiten.

Die Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen, erhalten eine Abfindung von durchschnittlich 150.000 Euro. Nach der Abwicklung der Gesellschaft stellt sich heraus, dass die Abfindungsverträge der Mitarbeiter, die weiterhin im Konzern beschäftigt sind, aufgrund eines Formfehlers unwirksam sind.

Das Arbeitsgericht entscheidet, dass auch diesen Mitarbeitern ein Abfindungsbetrag in voller Höhe von 150.000 Euro zusteht. Dies ergibt eine Mehrbelastung von fünf Millionen Euro, die bei Vermeidung des Formfehlers nicht entstanden wäre. Für diesen Fehler ist der Geschäftsführer gemäß Paragraf 43 GmbH-Gesetz verantwortlich, da er im Rahmen seiner kaufmännischen Pflichten zur Einholung von Rechtsrat verpflichtet gewesen wäre. Der Fall ist im Rahmen einer D&O-Police versichert.

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