Freitag, 23. Juni 2017

Indien vs. China Der Ganges lockt

Eine Wirtschaftsdelegation nach der anderen pilgert ins Reich der Mitte, um am Boom des asiatischen Mega-Marktes teilzuhaben. Doch Rudolf Weiler, norddeutscher Unternehmer mit Werken in China und Indien, rät: Für Deutschlands Mittelständler ist der Subkontinent die bessere Wahl.

mm.de:

Herr Weiler, Sie raten expansionswilligen Mittelständlern zum Gang nach Indien. Warum?

er wurde 1999 für herausragende Erfolge im internationalen Markt mit dem Preis der Deutschen Außenwirtschaft ausgezeichnet.

Weiler initiierte Indien-Stammtische für Unternehmer in sieben deutschen Städten, die alle zwei Monate 20 bis 100 Interessierte anziehen. In Planung befindet sich zudem eine Unternehmerreise nach Indien, die im Februar 2005 stattfinden soll.
Weiler: Indien eignet sich gerade für typische Mittelstandsprodukte, wo es nicht auf zweistellige Millionenstückzahlen ankommt. Die Arbeitsflexibilität ist sehr hoch, ebenso die Qualität der Fertigkeiten. Das Land zählt beispielsweise zur Weltspitze im Maschinenbau, in der Lederverarbeitung oder bei der Lebensmittelherstellung.

mm.de: Im Fokus vieler Investoren steht derzeit aber China. Ihr Unternehmen, Digisound, hat in beiden Ländern große Fertigungsstätten. Was schätzen Sie an Indien, was China nicht bieten kann?

Weiler: Die Regularien für Geschäftsanbahnungen sind transparenter als in China. Indien bietet eine größere Rechtssicherheit, die auf der anderen Seite - das darf man nicht verschweigen - auch Schwierigkeiten mit sich bringt. So ist Indien für seine zuweilen ausufernde Bürokratie bekannt, die erstmal bewältigt sein will. Das sind zwei Seiten einer Medaille.

mm.de: Fangen wir von vorne an. 1993 gingen Sie als einer der ersten deutschen Mittelständler nach China. Wie kam es dazu?

Weiler: Unser Kerngeschäft sind elektronische Signalgeber für Anwendungen aller Art, zum Beispiel Klingeln in Handys und Sirenen oder Pieper in zahlreichen Elektronikgeräten. In den 80er Jahren drohten japanische Konzerne, uns mit teilweise rüden Methoden an den Rand des Marktes zu drängen. Um mithalten zu können, entschloss ich mich, unter den Bedingungen der Konkurrenz zu produzieren, also in Asien.

Auf zahlreichen Reisen nach China suchte ich nach geeigneten Partnern. Das zog sich fast zwei Jahre lang hin, dann zogen wir dort unser erstes Joint Venture hoch. Die Anfangsjahre waren brutal, aber wir haben so die japanische Konkurrenz vom Markt gefegt.

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