URL: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/mittelstand/0,2828,346854,00.html

04. April 2005, 09:32 Uhr

Partnerfonds

Deutschland stärken und Steuern sparen

Von Kai Lange

Heimische Unternehmen fördern, eine ordentliche Rendite erzielen und Steuern sparen – dies alles verspricht ein neuer "Partnerfonds" seinen Anlegern. Die Initiatoren sehen sich als Förderer des Mittelstands und auch von Banken, weil sie das Eigenkapital der Unternehmen stärken.

Hamburg - Als "Herz der deutschen Wirtschaft" preist die Bundesregierung in ihren bunten Broschüren den Mittelstand. Als Schrittmacher wird sie jedoch nur zögerlich aktiv, wenn das Herz wegen hoher Steuerbelastung, niedriger Eigenkapitalquote und Kreditklemme zu stottern beginnt. Damit zumindest finanzstarke Privatanleger ihr Herz für den deutschen Mittelstand entdecken, lockt der "Partnerfonds - Kapital für den Mittelstand" mit allerlei Vorteilen.

  Herz der Wirtschaft:  Deutschlands Mittelstand erhält viel Sympathie, aber wenig Kredit. Dies will ein "Partnerfonds" ändern.
[M] DDP; mm.de

Herz der Wirtschaft: Deutschlands Mittelstand erhält viel Sympathie, aber wenig Kredit. Dies will ein "Partnerfonds" ändern.

Der Fonds investiert ausschließlich in wachstumsstarke mittelständische Unternehmen, die seit mehreren Jahren am Markt erfolgreich sind. Bei einer Eigenkapitalquote von unter 15 Prozent haben viele kleinere und mittlere Unternehmen in Zeiten strenger Kreditrichtlinien Probleme, Geld von der Bank zu bekommen.

Hier setzt der "Partnerfonds" an, der mit seinem Geld das Eigenkapital der Firmen stärken und Wachstumsprojekte finanzieren will. Das Kapital soll vor allem für Produktinnovationen, Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie für die Expansion eines Unternehmens eingesetzt werden.

Heimvorteil statt Hollywood

Geld für Innovationen und Wachstum - angesichts dieser Ausrichtung dürfte es dem Finanzamt leichter fallen, Steuervorteile für Anleger zu gewähren, wie es sie bislang nur für Film- und Medienfonds gab.

Doch während Medienfonds ihr Geld vielfach im fernen Hollywood anlegen, investiert der Mittelstand-"Partnerfonds" in die heimische Wirtschaft. Die Steuervergünstigungen, die beim Thema Medienfonds zuletzt verstärkt von politischer Seite in Frage gestellt wurden, stehen aufgrund dieses Heimvorteils auf einer solideren Basis.

Für den Anleger bedeutet das: Neben 6 Prozent jährlicher Ausschüttung erhält er auch die begehrten steuermindernden Verlustzuweisungen in Höhe von 105 Prozent. Wer zum Beispiel 21.000 Euro (Anlagesumme 20.000 Euro plus 5 Prozent Aufgeld) in den "Partnerfonds" investiert, kann diese Summe in seiner Steuererklärung komplett mit anderen Einkünften wie Gehalt, Mieteinnahmen oder anderen Kapitaleinkünften verrechnen.

Fiskus zahlt bis zur Hälfte des Kapitals zurück

Auf diese Weise fließen je nach Höhe des persönlichen Steuersatzes bereits im ersten Jahr bis zu 42 Prozent des eingesetzten Kapitals in Form von gesparten Steuern zurück - dies erhöht die Sicherheit des Investments.

Als schlichtes Steuersparmodell will Hans Dieter Wunderlich, Geschäftsführer beim Münchener Fondsinitiator Wunderlich & Partner, den Fonds aber nicht verstanden wissen. "Mit Blick auf Rendite, Kapitalrückfluss und Sicherheit ist der Partnerfonds ebenfalls interessant", sagt Wunderlich.

Poolkonzept sorgt für Verteilung des Kapitals

Der Fonds strebt eine jährliche Nachsteuerrendite von mehr als 10 Prozent an. "Wir stecken bei dem jetzt erreichten Volumen von 100 Millionen Euro maximal zehn Millionen Euro in ein Unternehmen, das Fondskapital ist auf viele verschiedene Firmen verteilt", betont Wunderlich. Dieses Poolkonzept bringe zusätzliche Sicherheit für Anleger.

  Kreditklemme:  Bei niedrigem Eigenkapital hat manch Mittelständler Probleme, Kredite von der Bank zu bekommen
Zur Großansicht
mm.de

Kreditklemme: Bei niedrigem Eigenkapital hat manch Mittelständler Probleme, Kredite von der Bank zu bekommen

Die Unternehmen würden zudem von einem unabhängigen Anlageausschuss ausgewählt und müssten ein Kreditrating vorweisen, das im Durchschnitt bei "BBB" liegt.

Damit sinkt das Ausfallrisiko erfahrungsgemäß unter 3 Prozent - die Wahrscheinlichkeit, dass das eingezahlte Kapital inklusive der angestrebten Rendite am Ende der Laufzeit ausgezahlt wird, liegt laut den Initiatoren bei mehr als 97 Prozent.

"Die Nachfrage von der Seite der mittelständischen Unternehmen steigt", ergänzt Bernd Meißner, neben Wunderlich Geschäftsführer bei Wunderlich & Partner. Das liege nicht nur an dem Kampfgewicht von mehr als 100 Millionen Euro, das der Fonds inzwischen erreicht hat. Auch die Kreditinstitute haben den "Partnerfonds" als wichtigen Baustein bei der Unternehmensfinanzierung entdeckt.

Kreditportfolio der Banken verbessert sich

"Da wir die Eigenkapitalbasis der Unternehmen stärken, ermöglichen wir Kredite der Bank. Mit der verbesserten Eigenkapitalquote verbessert sich außerdem das Kreditportfolio der Banken - für alle Beteiligten also ein Vorteil", sagt Meißner.

Auch Private-Equity-Fonds (PE) haben den deutschen Mittelstand im Blick. Im Gegensatz zu den PE-Fonds nimmt der "Partnerfonds" jedoch keinen Einfluss auf die Gesellschafterstruktur: "Wir reden operativ nicht hinein", sagt Meißner.

Auch einige Firmen aus dem SDax hätten bereits Kontakt zum "Partnerfonds" aufgenommen, das durchschnittliche Kreditvolumen pro Unternehmen liege zunächst bei drei bis vier Millionen Euro.

Sorgen, dass das Kapital des neuen "Partnerfonds" nicht genug Abnehmer findet, hat Meißner nicht. "In den kommenden fünf Jahren werden in Deutschland viele Milliarden Euro in Forschung, Entwicklung und innovative Produkte investiert - und das hat Deutschland auch nötig."

Anleger: Gutverdiener im Blick

Der neue "Partnerfonds", den Anleger voraussichtlich ab April 2005 zeichnen können, ist eher für finanzstarke Investoren geeignet. Wer einsteigen will, muss mindestens 21.000 Euro (Mindestanlagesumme 20.000 Euro plus fünf Prozent Aufgeld) investieren. Bei einer Laufzeit von 6,25 Jahren, die am 1. Januar 2006 beginnt, ist das Anlagekapital zudem bis zum Jahr 2012 festgelegt.

Interessant ist der Fonds vor allem für gut verdienende Anleger mit einem hohen Steuersatz. Auf Grund der Verlustzuweisung von 105 Prozent fließen bei einem Investor mit Spitzensteuersteuersatz im ersten Jahr 42 Prozent des eingesetzten Kapitals in Form von gesparten Steuern zurück. Ein Anleger mit geringem Steuersatz muss dagegen bis zum Jahr 2012 warten, bis ihm der Löwenanteil seines Einsatzes wieder zurückgezahlt wird: Die Rückzahlung im Jahr 2012 ist zu den dann geltenden individuellen Steuersätzen zu versteuern.

Auch die jährliche Ausschüttung ab dem Jahr 2006 erreicht nur bei hohem Kapitalansatz den Wert von 6,5 Prozent. Bei einer Beteiligungssumme ab 20.000 Euro sind es sechs Prozent - wer 6,5 Prozent jährliche Ausschüttung anstrebt, muss mindestens 100.000 Euro investieren. Die jährlichen Ausschüttungen des Fonds sind mit der Zielrendite solider Unternehmensanleihen vergleichbar.

Unternehmen: "Partnerfonds" passt nicht zu Start-Ups

Auch mittelständische Unternehmen sollten genau prüfen, ob sie als Partner für den "Partnerfonds" geeignet sind. So sollte der Kapitalbedarf bei mindestens einer Million Euro liegen, das Kapital sollte der Finanzierung von Wachstumsprojekten oder der Verbesserung der Bilanzstruktur dienen. Start-Ups oder Unternehmen, die mit zusätzlichem Kapital einen Turnaround finanzieren wollen, kommen als Partner für den "Partnerfonds" nicht in Frage.

Die Unternehmen sollten zudem am Markt etabliert sein, ein bewährtes Geschäftsmodell vorweisen oder über Produkte mit Markencharakter verfügen. Die Bonität des Unternehmens sollte durch ein unabhängiges Rating einer namhaften Ratingagentur bestätigt sein und in der Regel bei "BBB", mindestens aber bei "BB" liegen. Das bilanzielle Eigenkapital des Unternehmens sollte nach HGB über drei Millionen Euro liegen. Der Fonds investiert vorzugsweise in die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie in Projekte, die der Expansion am Markt dienen.


© manager magazin Online 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH