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15.03.2010
 

Bauindustrie

Nicht niet- und nagelfest

Von Arvid Kaiser

Pfusch, Diebstahl, Verzögerungen und Nachforderungen: Deutschlands Großbaustellen kommen nicht aus den Schlagzeilen, Baufirmen stehen im Zwielicht. Die Branche gibt sich selbstkritisch, beklagt zugleich aber den ruinösen Preiswettbewerb. Am Bau müsse sich etwas ändern - auch, damit die Unternehmen überleben können.

Hamburg - Jürgen Roters weiß, wie er die Volksseele ansprechen muss. "Wer von uns hätte sich vorstellen können, dass international handelnde Baufirmen in solch großem Umfang täuschen, manipulieren und betrügen?", fragte der Kölner Oberbürgermeister auf der Trauerfeier zum Jahrestag des Einsturzes des Stadtarchivs.

Seit das Gebäude über einer U-Bahn-Baustelle zusammenbrach und zwei Menschen unter sich begrub, ist das von Bilfinger Berger angeführte Baukonsortium in der Domstadt unten durch - erst recht, seit bekannt wurde, dass entlang der Trasse Bauprotokolle gefälscht und Schubhaken verhökert statt eingebaut wurden.

"Das ist kriminell, was dort begangen wurde", räumt Jochen Keysberg von Bilfinger Berger Chart zeigen ein, der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft, die den Südteil des Tunnels baut. Doch zugleich weist der Konzern Schuld für das Unglück von sich. Ein "hydraulischer Grundbruch" sei die Ursache, nicht Pfusch am Bau - dann müsste die Stadt für den Milliardenschaden aufkommen. Nun steht Gutachten gegen Gutachten.

Auch in Hamburg ist die regierende schwarz-grüne Koalition in offenen Streit mit einem Baukonzern getreten. Branchenführer Hochtief Chart zeigen sei eine "bösartige Heuschrecke", die "mit allen Tricks arbeitet, um aus Projekten maximalen Profit herauszuschinden", schimpfte Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan. In Hamburg geht es nicht um Todesopfer, sondern nur um Verzögerungen und Mehrkosten beim Bau des Prestigeprojekts Elbphilharmonie, doch auch hier weisen sich beide Seiten gegenseitig Schuld zu.

Quer durch die Republik kommen Mängel, Betrügereien und Kostenprobleme an wichtigen Großbaustellen ans Licht. Das jüngste Beispiel ist die Autobahn A1 zwischen Hamburg und Bremen, das derzeit größte Bauprojekt in öffentlich-privater Partnerschaft - wie viele der Problembaustellen mit Bilfinger-Beteiligung. Gerade freigegebene Streckenabschnitte müssen erneut saniert werden, weil sich der frische Flüsterasphalt bis zu vier Zentimeter tief auflöst. "Der Belag bröselt einfach weg", erklärt Heiko Gerken von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

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