Von Arvid Kaiser
Angst um die IKB
Gerade das von Geschäftsbanken viel kritisierte Drei-Säulen-Modell - private Banken dürfen keine genossenschaftlichen oder staatlichen Institute kaufen und umgekehrt - sei eine Stärke des deutschen Finanzmarkts, meint Bankenexperte Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanzzentrum. "Zum Teil sind Sparkassen und Genossenschaftsbanken ja auch in Regionen vertreten, wo die Commerzbank nicht hinkommt."
Weniger Wettbewerb der Banken müssten die Mittelständler daher nicht fürchten, wenn die Commerzbank die Dresdner schluckt, meint Gerke: "Das ist kein Nachteil, wenn die Bank effizienter und leistungsfähiger wird. Damit kann sie dem Mittelstand kostengünstiger zur Verfügung stehen."
Der Bonner Mittelstandsforscher Wallau sieht das ähnlich: "Wir haben noch ausreichend Wettbewerb." Den Unternehmen komme entgegen, dass sie in den vergangenen Jahren gut verdient haben und mehr Eigenkapital einbringen können. Investitionen, die Mittelständler planen, scheitern selten an fehlendem Kapital. "Alle Banken haben wieder entdeckt, dass mittelständische Kunden attraktiv sind", sagt Wallau. "Das Geschäft mit den Großkonzernen ist ja auch begrenzt."
Allerdings könnte die Dresdner Bank das inzwischen gewonnene gute Image der Commerzbank verwässern. Im "Bankenrating" der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer erreichte die gelbe Bank in diesem Jahr die beste Bewertung noch vor den Sparkassen - während die anderen Großbanken HVB, Dresdner und Deutsche Bank das Ende der Tabelle bilden. Besonders die Dresdner Bank hat sich in den Augen der Familienunternehmer in den Kategorien "Betreuungsqualität" und "Konditionen" verschlechtert.
"Ich hoffe, dass sie sich nicht aus der Fläche zurückziehen", sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft. "In früheren Rationalisierungen mussten Mittelständler plötzlich 30 Kilometer zur nächsten Bank fahren, verloren ihren Berater und standen dann vor einem 22-jährigen Jungbanker." Sorgen um ihre Kreditversorgung müssten sich die meisten Unternehmen aber nicht machen.
Kritischer sieht der Verbandsfunktionär den Verkauf der kollabierten Mittelstandsbank IKB
an den Finanzinvestor Lone Star. "Mit dem hat der deutsche Mittelstand nicht immer nur gute Erfahrungen gemacht", sagt Ohoven. "Es würde mich freuen, wenn das im Fall der IKB anders wäre, doch der Beweis steht noch aus."
Vor allem sehe er eine große Gefahr: "Lone Star bekommt einen tiefen Einblick in die Unternehmen." Es gebe die Befürchtung, dass die Texaner die Informationen für Geschäfte von Konkurrenten benutzen. Sollte dieser Fall eintreten, so Ohoven, "wäre es besser gewesen, man hätte die IKB in ein ordentliches Insolvenzverfahren gehen lassen".
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