Von Arvid Kaiser
Hamburg - Martin Blessing weiß, was mittelständische Unternehmer wollen: "Sie wollen einen Partner, der sie vor Ort versteht, und zugleich wünschen sie, dass dieser Partner sie auch ins Ausland begleitet." Für den Commerzbank-Chef ist die Folge klar: An seinem Institut, das sich mit dem Titel "Mittelstandsbank des Jahres" schmückt, führt kein Weg vorbei.
Nach der Übernahme der Dresdner Bank noch weniger, denn "gemeinsam betreuen wir mehr als 100.000 deutsche Unternehmen. Damit wird die neue Commerzbank
Ekkehard Wenger, Bankenprofessor an der Universität Würzburg und profilierter Kritiker der Deutschen Bank, hält Blessings Kurs für richtig. Er halte überhaupt nichts davon, wenn Banken ihr Geschäft internationalisieren, nur um ihr Risiko zu streuen, sagt Wenger. "Wir haben ja jetzt gesehen, was passiert, wenn Banken in Märkte gehen, die sie nicht verstehen. Die Amerikaner haben sich doch totgelacht über die Europäer, die ihnen die Risiken abnehmen." Der neue Commerzbank-Chef verkörpert den strategischen Fokus auf den deutschen Mittelstand wie kein Zweiter: Blessing selbst hat die Sparte Mittelstandsbank in den vergangenen Jahren aufgebaut.
Und er hat, bisher jedenfalls, Erfolg: Die Sparte ist bereits im Geschäftsbericht für 2007 als der Ertragsbringer schlechthin ausgewiesen. Die Eigenkapitalrendite liegt bei knapp 40 Prozent, die Aufwandsquote unter 49 Prozent. Kein anderes Segment ist so profitabel. Rund 60.000 mittelständische Firmenkunden zählt die Commerzbank, jeden Vierten davon hat sie mit ihrer Mittelstandsoffensive seit 2004 gewonnen.
So wichtig der Mittelstand für die Commerzbank ist, umgekehrt gilt das nicht so sehr: Blessing beziffert den Marktanteil der Commerzbank auf 7, den der Dresdner auf 6 Prozent. Gemeinsam komme man aber nicht unbedingt auf 13, sondern vielleicht nur auf 11 Prozent. Er begründet das mit Überschneidungen in den Kundenbeziehungen. Gleichzeitig liefert die vorsichtige Prognose aber auch eine Rückfallposition, falls Kunden nach der Fusion abwandern.
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