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25.06.2008
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Outsourcing

Mittelständler in der Falle

Von Arvid Kaiser

4. Teil: Wer stellt die Falle?

mm.de: Risikomanagement ist teuer. Lassen sich Ihre Ratschläge auch auf Mittelständler übertragen?

Joppe: Risikomanagement ist teuer? Nur wenn Sie an millionenschwere Hedgings für Währungsschwankungen denken – doch selbst die rechnen sich ja.

Serviceschulung in Indien: In der Softwareindustrie läuft Outsourcing erfolgreicher als in anderen Branchen
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AP

Serviceschulung in Indien: In der Softwareindustrie läuft Outsourcing erfolgreicher als in anderen Branchen

Nein, Risikomanagement ist weder teuer noch aufwendig noch kompliziert. Das wollen uns lediglich einige selbst ernannte Experten einreden, die gut dotierte Berateraufträge wollen und es deshalb nicht gerne sehen, wenn Manager das selber machen. Das müssen die aber. Wie atmen auch. Das lässt sich nicht wirklich delegieren. Risikomanagement ist ganz einfach. Manager müssen nur das nötige Bewusstsein entwickeln, in einer konzertierten Aktion sämtliche Risiken erfassen und bewerten, Maßnahmen für die Schublade ausarbeiten, im Ernstfall auch in die Schublade greifen und die Maßnahmen umsetzen.

mm.de: Wenn es eine Outsourcing-Falle gibt: Wer sind die Fallensteller?

Joppe: Viele Berater und Autoren, die glauben, nur dann ein gutes Geschäft machen zu können, wenn sie ihr Baby, Outsourcing, über den grünen Klee loben. Das ist naiv und überholt. Naiv, weil man intelligenten Kunden Outsourcing auch mit den Risiken und Nachteilen verkaufen kann, die es nun mal hat. Kunden sind nicht so dumm wie Berater das manchmal meinen. Und überholt, weil es inzwischen jede Menge Berater und Bücher gibt, die sehr kritisch über Outsourcing reden. Und, so verrückt es klingt: Auch etliche Manager haben ein Interesse am Weiterbestehen der Outsourcing-Falle.

mm.de: Wieso das denn? Wollen sie ihrem eigenen Unternehmen schaden?

Joppe: Wir sprechen mit vielen Topmanagern, die sehr genau wissen, wie riskant das ist, was sie da tun. Die sagen uns aber hinter vorgehaltener Hand: "Was soll's? Dann lagern wir die Abteilung nach fünf Jahren eben wieder ein!" Oder: "Es ist mir egal, wenn das nicht funktioniert. Aber wenn das jetzt alle machen, dann können wir nicht abseits stehen!" Oder: "Den Gewerkschaftlern wollte ich schon immer mal eins auswischen." Andere geben offen zu: "Natürlich zahlen wir langfristig drauf. Aber in der nächsten Bilanz sehen wir super aus!"

mm.de: So kurzfristiges Denken dürfte sich aber rächen.


Johanna Joppe, Christian Ganowski: Die Outsourcing-Falle. Wie die Globalisierung in den Ruin führen kann.; Redline Wirtschaft, 208 Seiten, 24,90 Euro
Joppe: Nur zur Erinnerung: Viele Topmanager wechseln spätestens nach vier Jahren die Position. Die sind längst weg, wenn die Outsourcing-Falle so zuschnappt, dass sich das auch in der Bilanz niederschlägt. Und ganz zuletzt haben natürlich die ganzen Outsourcing-Nehmer im In- und Ausland ein Interesse daran, dass möglichst wenige Menschen die Outsourcing-Falle erkennen – sonst bricht ihnen ja ihr Geschäft weg.

mm.de: Sie sprechen von einem Gegentrend: Insourcing. Hat sich mittlerweile ein Bewusstsein über die Risiken gebildet?

Joppe: Das Bewusstsein war schon immer da. Zum Beispiel bei den Managern im Auslandseinsatz, bei den Pionieren aus dem mittleren Management und bei den Logistikern, die sich seit Jahren darüber wundern, wie ihre Geschäftsleitung in Gebiete auslagern kann, ohne sich vorher dafür von der eigenen Logistikabteilung eine Vorkalkulation der Kosten zu holen. Doch inzwischen ist dieses Bewusstsein auch nach ganz oben gedrungen. Da war es teilweise auch schon vorhanden – doch erst jetzt werden die Konsequenzen gezogen und Betriebe wieder eingelagert.

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