Von Simon Hage
mm.de: Herr Professor Simon, das Image vieler börsennotierter Konzerne ist ramponiert. Die Gründe sind zum Beispiel Insidergeschäfte, riesige Abfindungen trotz schlechter Leistung, enorme Gehaltserhöhungen im Management bei gleichzeitigen Massenentlassungen. Sind Mittelständler die besseren Unternehmer?
Simon: Eigenes Geld wird viel behutsamer ausgegeben als das Geld der Aktionäre, deshalb wirtschaften insbesondere Familienunternehmen ganz anders. Auch Verfehlungen, wie eben genannt, kommen viel seltener vor. So etwas passiert eher in anonymen Aktiengesellschaften - vor allem in denjenigen, die keinen einflussreichen Großaktionär haben.
mm.de: In Ihrem Buch "Hidden Champions des 21. Jahrhunderts" stellen Sie die Elite des globalen Mittelstands vor - weitgehend unbekannte Weltmarktführer. Wodurch unterscheidet sich der Chef eines solchen mittelständischen Champions von einem Dax-Konzernlenker?
Simon: Der größte Unterschied besteht in der Amtsdauer der Vorstände. Die liegt bei den Hidden Champions im Schnitt bei 20 Jahren, in Dax-Konzernen jedoch nur bei knapp fünf Jahren. Der Mittelstand ist also viel langfristiger ausgerichtet. Wer voraussichtlich 20 Jahre im Amt bleibt, führt das Unternehmen ganz anders als jemand, der nur von vier bis fünf Jahren ausgeht.
mm.de: Familienunternehmen haben auch Nachteile. Wer dort beschäftigt ist, muss mit den Schrullen des Patriarchen zurechtkommen.
Simon: Gewiss. Es ist entscheidend, dass die Chemie zwischen Manager und Eigentümern stimmt. Wenn das nicht der Fall ist, kommt es in der Regel nach kurzer Zeit zu einer Trennung. Das ist wie in einer Ehe.
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