Freitag, 10. Februar 2012, 01:44 Uhr

manager magazin



Mittelstandmanager magazin RSS  - Mittelstand

Alle Artikel und Hintergründe

21.12.2006
 

Streit um Bilanzen

Aufstand der Familienunternehmer

Von Christian Buchholz

Ein weltweit einheitlicher Bilanzstandard bietet Vorteile - wenn er nationale Besonderheiten berücksichtigt. Doch genau das werde im Regelwerk IAS ignoriert, monieren Deutschlands Familienunternehmen von Otto bis Bertelsmann. Praxisfremd, unsinnig, verfälschend und massiv benachteiligend sei die noch junge IAS-Regel 32.

Hamburg/Stuttgart - "Wenn IAS 32 angewandt wird, hat das für viele Familienunternehmen den absurden Effekt, dass das Eigenkapital in der Bilanz umso stärker schrumpft, je erfolgreicher das Geschäft verläuft", sagt Stefan Heidbreder. Er ist Geschäftsführer der Stuttgarter Stiftung Familienunternehmen, zu der mehr als 300 größere Unternehmen gehören und unter deren Dach eine Initiative gegen IAS 32 läuft.

Arm durch IAS 32: Die Fremdkapitalregel lässt die Liquidät vieler Unternehmen drastisch sinken - jedenfalls auf dem Papier
Zur Großansicht
DPA

Arm durch IAS 32: Die Fremdkapitalregel lässt die Liquidät vieler Unternehmen drastisch sinken - jedenfalls auf dem Papier

"Der Paragraph stellt eine lupenreine Benachteiligung für Personengesellschaften in Deutschland dar", sagt Frank Reuther. Der Leiter des Rechnungswesens beim Weinheimer Familienkonzern Freudenberg (Dichtungen, Chemieprodukte, "Vileda") lässt kein gutes Haar an der vom International Accounting Standards Board (IASB) getroffenen Regelung.

Das IAS-Fachgremium erarbeitet Standards, die dafür sorgen sollen, dass die Bilanzen von Unternehmen aus verschiedenen Ländern besser und schneller vergleichbar werden. In der Tat klingt die Maßgabe für IAS 32 für Familienunternehmer alles andere als harmlos: Sämtliche Anteile, die an das Unternehmen zurückgegeben werden können, ohne dass das Unternehmen sich dem verweigern kann, sind als Fremdkapital einzustufen. Dies betrifft alle Gesellschafteranteile.

Je kleiner jedoch die Eigenkapitalquote, umso schwerer fällt es den Unternehmern, bei Banken an günstige Kreditkonditionen heranzukommen. Die internationale Vergleichbarkeit, erklärtes Ziel der IASB in London, werde durch die Regel zudem nicht verbessert sondern praktisch unmöglich gemacht, wettern die Gegner des Standards, der GmbH & Co KGs, KGs und OHGs gleichermaßen trifft.

Der Malus des Marktwert-Passus'

Eine schnelle Lösung könnte lauten, dass die Familienunternehmer den Rückkauf ihrer Anteile durch das Unternehmen freiwillig blockieren oder mit Haltefristen versehen. Schon wäre die Gefahr, dass das Kapital von einem Tag auf den anderen aus dem Unternehmen abwandert, gebannt. Doch das verbietet das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB): Das Inhaber-Kündigungsrecht für die genannten Personengesellschaften darf vertraglich nicht eingeschränkt werden.

Während bis 1944 in Deutschland Anteile an Personengesellschaften ausschließlich an das Unternehmen verkauft werden durften, änderte der Gesetzgeber die Vorschrift kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Seitdem muss ein Handel der Anteile mit Dritten jederzeit und prinzipiell uneingeschränkt möglich sein. Dabei ist es bis heute geblieben.

Zusätzlich problematisch wird die Bilanzierungsregel durch ihren Marktwert-Passus: Auch wenn ein Unternehmen nicht an der Börse notiert ist, müssen die Anteile stets nach dem Marktwert beurteilt werden. Dieser lässt sich zwar annähernd anhand der Gewinnentwicklung festmachen, die Crux für den Konzern ist aber, dass im Falle einer positiven Unternehmensentwicklung die Belastung durch die als Fremdkapital deklarierten Anteile steigt.

Ein Beispiel dazu: Ein Unternehmen verfügt über 100 Millionen Euro Eigenkapital. Der Wert der Unternehmensanteile muss durch die Marktwert-Klausel aber nach propperen Geschäftsjahren um 200 Millionen Euro taxiert werden.

Durch seine Rückkaufverpflichtung hat das Unternehmen nun ein Problem in Form einer kräftigen Unterdeckung beim Eigenkapital. In der Bilanz müsste die Ziffer mit minus 100 Millionen Euro ausgewiesen werden. "Entwickelt sich das Geschäft des Unternehmens weiterhin gut, wird die Summe des negativen Eigenkapitals weiter steigen - ein unsinniger Effekt, der die tatsächliche Geschäftsentwicklung auf den Kopf stellt", so Reuther.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben