Von Rita Syre, Frankfurt
Frankfurt am Main - Der deutsche Mittelstand ist innovativ, aber nicht innovativ genug. Anlass für den Vorstandssprecher der KfW-Bankengruppe Hans W. Reich, auf der Grundlage einer neuen Studie einen Vorstoß zu neuen Wegen in der Finanzierung von innovativen Mittelständlern anzuregen. "Im Durchschnitt gab es unter den deutschen Mittelständlern zwar im Jahr 2004 rund 42 Prozent Innovatoren", stellte der Sprecher des staatlichen Förderers des Mittelstandes und der Existenzgründer am Donnerstag fest. Zwei Jahre zuvor habe der Anteil der Unternehmen mit mindestens einem abgeschlossenen Innovationsprojekt bei nur 38 Prozent gelegen.
"Aber es sei alarmierend", fügte er hinzu, dass gerade bei jungen mittelständischen Unternehmen die originäre Innovationstätigkeit "drastisch" sinke. Unter originäre Innovationen versteht die KfW neue Produkte wie den iPod. Der Anteil der jungen Mittelständler mit solchen Marktneuheiten sei von 11 Prozent im Jahr 2002 auf 6 Prozent im vergangenen Jahr abgestürzt. "Und dieser Trend hat sich bis Mitte dieses Jahres fortgesetzt", sagte Reich. Er befürchtet, dass in Deutschland "eine Generation von Innovationsverweigerern" heranwächst.
Diese Entwicklung hat nach der Untersuchung der KfW und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhebliche Folgen für die Beschäftigung in Deutschland. Zwar stellen auch innovative Unternehmen ohne eine wirklich neue, erfolgreiche Produktidee mehr Leute ein als Unternehmen ohne jegliche Innovationen. So steigt die Beschäftigung in innovativen Gesellschaften drei Mal so stark wie in nicht-innovativen Firmen, die nur Produkte imitieren. Aber vor allem Unternehmen mit originären Innovationen entfalten eine hohe Beschäftigungsdynamik. Sie stellen sieben Mal so viele Leute ein.
Als größtes Hemmnis für richtige Innovationen im deutschen Mittelstand machen die Experten von der KfW und dem ZEW Finanzierungsschwierigkeiten aus. Die Unternehmen müssten ihre Innovationsaktivitäten zu 59 Prozent aus eigenen Mitteln finanzieren. Dem Bankensektor könne deshalb allerdings kein Vorwurf gemacht werden, meinte Reich. Angesichts der aufwändigen Beurteilung der Risiken wirklich innovativer Produkte und dem Renditedruck ihrer eigenen Investoren habe er "absolutes Verständnis" für die Banken. Anders sieht die Sache bei den Finanzinvestoren aus. Reich wünscht sich ein stärkeres Engagement von Beteiligungsunternehmen: "Private-Equity-Gesellschaften müssen wesentlich stärker in der Frühphase der Finanzierung eines Unternehmens als Kapitalgeber gefordert werden."
Die Staatsbank selbst hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres die Innovationsfinanzierung auf deutlich mehr als 750 Millionen Euro verdreifacht. Das aber reicht nicht aus. "Wir brauchen mehr Schultern, um das Risiko zu tragen", sagte der KfW-Chef, denn es gehe um die Zukunft des Landes. Um die Banken einspannen zu können, schlägt Reich vor, dass immaterielle Vermögenswerte wie Patente auf die Aktivseite der Bilanz gestellt werden sollen. So könnten sie als Vermögensgegenstand beleihungsfähig bei den Banken werden. "Und für die Beleihung von Patenten muss dann ein Markt entstehen", forderte der KfW-Chef. Dabei könne die Verbriefungsplattform TSI der KfW eine Rolle spielen. Seit dem Jahr 2000 können Banken über die Plattform unter anderem Risiken aus Mittelstandsportfolien an den Kapitalmarkt transferieren.
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