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07.02.2006
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Handelsboykott

Deutschland hat viel zu verlieren

Von Kai Lange

4. Teil: Handelsbilanz in jedem Fall belastet

Umbruch wird Bilanz in jedem Fall belasten

Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und dem Iran dürfte nach Schätzung der DIHK in diesem Jahr dennoch deutlich zurückgehen. Dies habe vor allem mit dem personellen Umbau nach dem Wahlsieg des neuen Präsidenten Ahmadinedschad zu tun: Spitzenpositionen in Wirtschaft und Verwaltung werden mit neuen Leuten besetzt, die sich in ihrem neuen Job zum Teil noch zurechtfinden müssen.

So werden zum Beispiel die Geschäfte von Irans zweitgrößter Bank Melli nun von einem ehemaligen Gefängnisverwalter geführt. Der Personalaustausch beschränkt sich nicht auf leitende Positionen, sondern geht auch in die Tiefe: "Ein Austausch dieser Dimension lähmt die Verwaltung - es werden derzeit praktisch keine Aufträge mehr vergeben", sagt Clausnitzer. Die wichtigsten Exportgüter Deutschlands - Anlagen, Maschinen und Metallerzeugnisse - seien vom Auftragsstopp der öffentlichen Hand besonders betroffen.

Der Konflikt um das iranische Atomprogramm stelle in dieser Umbruchsituation ein zusätzliches Risiko dar, so der Länderexperte der DIHK. "Das Länderrisiko hat sich für Investoren, Banken und Unternehmen erhöht", sagt Clausnitzer. Er warnt vor möglichen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran: "Sanktionen schweißen in der Regel Regierung und Bevölkerung zusammen. Außerdem steht zu befürchten, dass UN-Inspektoren dann des Landes verwiesen werden und wir noch weniger Informationen aus dem Iran bekommen".

"Ahmadinedschad hat Grund zur Einigung"

Ein von der UN verhängtes Embargo könnte auch nach Einschätzung des Außenhandelsverbandes die Beziehungen nachhaltig zurückwerfen, da es oftmals die Fronten verhärtet. "Für alle Beteiligten, auch für Deutschland, steht bei diesem Szenario viel auf dem Spiel", ergänzt Nagel. "Ein Embargo trifft immer beide Seiten".

Auch der Iran hat jedoch ein Interesse daran, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Europa ist der wichtigste Handelspartner des Landes, 44 Prozent der iranischen Importe kamen im Jahr 2004 aus der EU. "Wenn Präsident Ahmadinedschad seine versprochenen Infrastrukturvorhaben umsetzen will, ist er auf den Handelspartner EU angewiesen", sagt Clausnitzer.

Die Bekämpfung von Armut und Jugendarbeitslosigkeit sowie das im Wahlkampf versprochene Investitionsprogramm in Millionenhöhe werden sich kaum realisieren lassen, wenn gleichzeitig die wichtigsten Handelsbeziehungen gekappt werden.

Der iranische Präsident habe guten Grund, zwischen politischer Agitation und wirtschaftlicher Räson zu unterscheiden und auf eine Einigung zu setzen.

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