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07.02.2006
 

Handelsboykott

Deutschland hat viel zu verlieren

Von Kai Lange

Arabisch-islamische Länder rufen zum Boykott westlicher Waren auf. Dem Iran drohen Sanktionen der UN. Deutschland, wichtigster westlicher Handelspartner Irans, hat viel zu verlieren: Selbst wenn die Konflikte gelöst werden, dürfte die Handelsbilanz beider Länder einknicken. Betroffen sind deutsche Schlüsselbranchen.

Proteste in Teheran: Fanatiker griffen die österreichische Botschaft an und verbrannten eine deutsche Flagge
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DPA

Proteste in Teheran: Fanatiker griffen die österreichische Botschaft an und verbrannten eine deutsche Flagge

Hamburg - Randalierende Fanatiker setzen Botschaften in Brand. Der Streit um die zuerst in einer dänischen, dann auch in französischen und deutschen Zeitungen abgedruckten Mohammed-Karikaturen hat eine Welle der Gewalt entzündet: Dänemark fordert seine Bürger auf, Länder wie Syrien, Libanon, Irak und Indonesien sofort zu verlassen.

Der Iran stoppt ab dem heutigen Dienstag die Einfuhr dänischer Produkte. Religionsgelehrte rufen Gläubige dazu auf, Waren aus Ländern zu boykottieren, in denen die umstrittenen Zeichnungen abgedruckt wurden.

Während der Streit um die Karikaturen eskaliert, spitzt sich zudem der Konflikt um das iranische Atomprogramm zu. Dem Iran drohen Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen, sollte Teheran nicht einlenken. Kritik aus Deutschland wird von der iranischen Regierung mit harschen Worten zurückgewiesen. Irans neuer Präsident Mahmud Ahmadinedschad hofft bei seinen Landsleuten zu punkten, indem er seinerseits zu Sanktionen gegen westliche Länder aufruft.

"Deutschland ist wichtigster Handelspartner"

Ein Klima politischer und wirtschaftlicher Stabilität sieht anders aus. Beide Seiten setzen Wirtschaftssanktionen als Druckmittel ein: Arabische Länder haben wegen der Karikaturen bereits zum Handelsboykott aufgerufen, und im Westen wird wegen des Atomstreits über Wirtschaftssanktionen gegen den Iran nachgedacht. Deutsche Unternehmen, die in den vergangenen Jahren ihre Handelsbeziehungen in den Iran sowie in die Region Naher und Mittlerer Osten gezielt ausgebaut haben, betrachten die Entwicklung mit Sorge.

"Der Iran ist für Deutschland der wichtigste Handelspartner in der Region", bestätigt Jens Nagel, Länderexperte beim Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels. Deutschland wiederum sei gleich nach den Arabischen Emiraten der zweitwichtigste Handelspartner für den Iran.

Deutsche Unternehmen haben im vergangenen Jahr Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro in den Iran exportiert - in Länder wie Syrien oder den Libanon sind es jeweils rund 450 Millionen Euro. Vor allem Maschinen, Anlagen, Metallerzeugnisse und chemische Produkte sind in dem Land am Persischen Golf gefragt.

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