Von Wolfgang Hirn
Die Autofahrer waren wieder einmal sauer. "Plötzlich" stiegen im Verlauf des Jahres 2004 die Benzinpreise exorbitant an. Der Ölpreis war auf über 40 Dollar pro Barrel emporgeschnellt.
Seit vielen Jahren wurde wieder ein Rekordhoch erreicht, fast wie zu Zeiten der Ölkrise im Jahr 1973. Die Ölkonzerne zitierten die üblichen Ursachen: der eskalierende Dauer-Konflikt im Nahen Osten und die anziehende Weltkonjunktur. Doch unter die altbekannten Argumente mischte sich zum ersten Mal eine völlig neue Erklärung: der Öldurst Chinas.
Das boomende China kann sich im Energiebereich nicht mehr selbst versorgen und muss deshalb immer mehr Öl auf den Weltmärkten kaufen. Die steigende Nachfrage aus China wird die Ölpreise immer weiter nach oben treiben.
Denn wächst Chinas Wirtschaft nur annähernd in dem bisherigen Tempo von 7 bis 9 Prozent pro Jahr weiter, braucht es immer mehr Öl, das Schmiermittel jeder Volkswirtschaft. Da gleichzeitig die Reserven im eigenen Land schwinden, müssen die Chinesen ihr Öl immer öfter auf den so genannten Spotmärkten einkaufen.
China wird somit zum Preistreiber bei Öl, auch wenn es sich in dieser Rolle überhaupt nicht gefällt. "Es gibt so viele andere Faktoren, die den Ölpreis bestimmen, zum Beispiel Währungsschwankungen, die Gefahr terroristischer Attacken und Spekulationen", redet Yu Jiao, Forscher beim Ölkonzern Sinopec
, die Lage schön.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn Tatsache ist: Rund die Hälfte des Ölpreis-Anstiegs basiert auf Chinas steigendem Öldurst, rechneten Experten der Internationalen Energie-Agentur (IEA) aus.
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