Von Wolfgang Hirn
Hamburg - Eine neue industrielle Revolution vollzieht sich - rund 150 Jahre nach der ersten. Damals, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, stieg England zur ersten und führenden Industrienation der Welt auf.
Heute ereignet sich in China ähnlich Umwälzendes: China wird zur "Fabrik der Welt", wie es Siemens-Chef Heinrich von Pierer ausdrückt. Immer mehr Güter werden in gigantischen Stückzahlen in China hergestellt und auf dem Weltmarkt verkauft.
Mit Kleidung und Schuhen fing es an. Heute stehen in fast allen Labels - ob bei der schwedischen Billigkette Hennes & Mauritz
oder beim teuren US-Designer Ralph Lauren
- die drei Worte "Made in China". Auch die Sportschuh-Hersteller Adidas
, Nike
und Puma
lassen seit Jahren fast nur noch in China produzieren.
Bald folgten so genannte braune und weiße Waren, also Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte. Inzwischen kommen 50 Prozent aller Kameras, 30 Prozent aller TV-Geräte und Klimaanlagen, 25 Prozent aller Waschmaschinen und 20 Prozent aller Kühlschränke aus China.
"China wird zur Produktions-Supermacht, und diese Entwicklung scheint unaufhaltsam", prophezeit Asien-Kenner Kenneth Courtis von der Investmentbank Goldman Sachs
. Heute schon ist China das viertgrößte Produktionsland der Welt - hinter den USA, Japan und Deutschland.
Und es ist bereits auf dem Sprung, die beiden Letzteren zu überholen. Bislang kommen aus Chinas Fabriken sieben Prozent der Weltproduktion. Jonathan Woetzel, Direktor bei McKinsey in Shanghai, sagt, es sei durchaus möglich, dass in zwei Jahrzehnten dieser Anteil auf 25 Prozent steige.
Diese Verschiebung hat dramatische Folgen für den Rest der Welt. In den entwickelten Staaten vollzieht sich eine schleichende Deindustrialisierung. Aus der Triade - also den USA, Japan und Europa -, aber auch aus so genannten Schwellenländern wie Mexiko verschwinden ganze Industrien Richtung China.
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