Von Jörn Sucher und Kai Lange
Carlyle - Rüstung und Republikaner
Kaum hieß es, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall
veräußert werden soll, spukte der Name des US-Investors Carlyle durch die Schlagzeilen. Kein Wunder, die Private-Equity-Gesellschaft hat den Ruf, im Vergleich zur Konkurrenz deutlich häufiger in Rüstungsunternehmen zu investieren. Dabei sind derzeit nur ein Prozent des weltweiten Fondsvolumens von Carlyle bei Waffenherstellern investiert.
Carlyle zählt in der Branche zu den Schwergewichten. Die Partner managen weltweit ein Investitionsvolumen von 18,3 Milliarden Dollar. Allein 2003 haben die Verantwortlichen 2,5 Milliarden Dollar unter anderem in Firmenkäufe und Immobilien eingebracht.
In Amerika hat Carlyle beste Verbindungen zum republikanischen Establishment. Für den Konzern arbeiteten unter anderem der ehemalige US-Außenminister James Baker und Ex-Präsident George Bush senior.
Mindestanlagesumme für Investoren: fünf Millionen Dollar. Zu den Anlegern zählt der kalifornische Pensionsfonds Calpers, der zudem 5,5 Prozent an Carlyle hält. Die Beteiligten konnten sich im vergangenen Jahr über eine Ausschüttung von 2,1 Milliarden Dollar freuen - ein Rekord in der 17-jährigen Unternehmensgeschichte.
In Deutschland investierte Carlyle unter anderem in die Automobilzulieferer Beru und Edscha sowie in das Industrietechnik-Unternehmen Messer Cutting & Welding. Bei Beru
fanden sich die Amerikaner in der ungewohnten Rolle des Mehrheitsaktionärs wieder. Normalerweise strebt Carlyle stets die vollständige Übernahme an. Die aber verhinderte in diesem Fall die Eigentümerfamilie Birkel. Mehr als 37 Prozent waren für den "notorisch schweigsamen Großinvestor" ("Süddeutsche Zeitung") nicht drin. Seither rätseln Beobachter, was Carlyle mit Beru vorhat.
Neben den Unternehmensbeteiligungen sind Immobilien das zweite Standbein von Carlyle. Die Investoren kaufen unvermietete Objekte, die dann veredelt, langfristig vermietet und anschließend mit Gewinn wieder verkauft werden. Erst Ende Juni hat Carlyle laut einem Bericht der "Börsen-Zeitung" sechs europäische Objekte zum Gesamtpreis von 253 Millionen Euro verkauft und dabei eine Eigenkapitalverzinsung von stolzen 36 Prozent erzielt.
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