Von Jochen Eversmeier und Jörn Sucher
mm.de: Gent war Esser überlegen?
Simon: Es gibt unternehmerische Vorgänge die das Niveau von großer Politik und Strategie, von Staatsverträgen, von weltmännischen Verhalten erfordern. Da sind deutsche Manager wie Klaus Esser den Commonwealth-geschulten Briten, in diesem Fall Chris Gent, unterlegen. Gent hat aus einer relativ schwachen Position ein globales Mobilfunk-Imperium geschaffen.
Gleiches gilt für den Vergleich von Deutschen und Franzosen, die ihre Führungskräfte in der Ecole Nationale d'Administration (ENA) schulen. Anschließend sind diese besser verdrahtet mit der politischen Ebene und handeln auch beim Managen politischer.
Deutsche Führungskräfte machen einen guten Job, denken aber oft nicht in derart globalen Dimensionen. Ausnahmen gibt es, etwa DaimlerChrysler oder die Deutsche Bank.
mm.de: Fällt es deutschen Managern auch wegen des historischen Traumas der Nazi-Diktatur schwerer, ihre Ziele genauso selbstbewusst zu formulieren wie ihre britischen oder französischen Kollegen?
Simon: Das hat damit zu tun. Allerdings ist der historische Hintergrund nicht das primäre Hindernis. Entscheidender ist die strikte Trennung von Politik und Wirtschaft in Deutschland. In anderen Ländern werden große Deals viel besser zwischen den Entscheidern auf politischer und unternehmerischer Ebene vorbereitet. Die kennen sich genau. Da herrscht eine ganz andere Vertrauensbasis.
mm.de: Wie lässt sich das ändern? Durch eine deutsche Elitehochschule nach französischem Vorbild?
Simon: Kurzfristig bringt das wenig. Erste Erfolge wären frühestens in 30 Jahren zu erwarten. Schnelle Abhilfe könnte der forcierte Austausch in nicht institutionellen Kreisen schaffen. Es gibt zu wenig Tagungen und Konferenzen, an denen Politiker und Wirtschaftsführer aus der Spitzenebene gemeinsam teilnehmen.
Politiker der ersten Garde besuchen lieber eine medienwirksame Tagung des Deutschen Fußball-Bundes als einen kleinen Unternehmerzirkel. Gleiches gilt aber auch für Manager. In Deutschland ist das Interesse aufeinander zuzugehen eher gering. Das ist ein Standortnachteil.
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