Von Simon Hage
"Ordnung, dann blüht der Mittelstand"
Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft hat auch Ludwig Kraus, Präsident des Bayerischen Müllerbundes und dritter Diskussionsteilnehmer. "Ich sehe auf jeden Fall eine Perspektive." Denn der Mittelstand in Deutschland sei flexibel und leidensfähig - und stehe nicht so schlecht da, "wie er sich selber gerne darstellt".
Doch Kraus äußert auch Verdruss, etwa über die Politik: "Der Staat ist nicht in der Lage, die Ausgaben in den Griff zu kriegen, und wird bei den Einnahmen immer unverschämter."
Nach Ansicht von Grupp muss die Politik ihrer Rolle als Ordnungsmacht gerechter werden. "Wenn die Ordnung wieder zurückkehrt", so Grupp, "wird der Mittelstand aufblühen." Die Ordnung - das ist Grupps Vision von einer Welt, in der die Führungskräfte selbst für ihr Unternehmen einstehen. Dazu gehört für den Trigema-Besitzer auch ein Staat, der Korruption oder Steuerhinterziehung strenger ahndet.
"Familie als Firmen-Vorbild"
Gleichzeitig kritisiert der bekennende CDU-Wähler die mangelnde Unterstützung der Opposition für die Schröder-Reformen: "Das sind Egoisten." Dagegen sieht Grupp sich selbst, so scheint es, als Verkörperung von Seriosität und Zuverlässigkeit: Er lebe nicht in der vierten oder fünften Ehe wie manche Politiker, sagt er bestimmt. Seine Familie, so betont der katholische Schwabe pathetisch, "ist das Vorbild für die Firma."
Im Stil eines Patriarchen führt Grupp seine schwäbische Textilfirma, und er dominiert auch die Podiumsdiskussion. Ob er mit seinem konservativen Stil ebenso den Mittelstand prägen kann? Viele Unternehmen, das ergab die Studie, sparen bei den Beschäftigten: Knapp 40 Prozent haben einen Einstellungsstopp verhängt - ganz im Widerspruch zu Grupps Philosophie.
Hingegen plant nur eine Minderheit - jedes siebte der befragten Unternehmen - Produktionsstätten oder gar die Unternehmenszentrale ins Ausland zu verlagern. Immerhin dies hat die Masse der mittelständischen Unternehmer mit dem polternden Trigema-Vormann gemein.
© manager magazin online 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH