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12.03.2004
 

Wolfgang Grupp

"Wir sind dem Kommunismus nahe"

Von Simon Hage

Während die Mehrheit der Mittelständler über die Politik schimpft, brandmarkt Trigema-Chef Wolfgang Grupp jammernde Unternehmer als Versager. Bei einer Podiumsdiskussion des manager magazins forderte er mehr unternehmerische Verantwortung.

München - Wenn Wolfgang Grupp, der schillernde Chef des schwäbischen Textilunternehmens Trigema, zur Rede ansetzt, dreht sich alles nur noch um ihn. Einmal richtig in Fahrt gekommen, lässt er sich kaum noch unterbrechen.

  "Ich habe ein Heimatland, so wie ich Eltern habe":  Trigema-Chef Grupp
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DPA

"Ich habe ein Heimatland, so wie ich Eltern habe": Trigema-Chef Grupp

Das Publikum lauscht gebannt, die anderen Diskussionsteilnehmer wirken wie farblose Statisten. Seine scharfen Worte würzt der 61-Jährige mit Pathos und Polemik. Er sagt Sätze wie: "Ich habe ein Heimatland, so wie ich Eltern habe." Wolfgang Grupp, der Patriot. Den Standort Deutschland zu verlassen - das würde für ihn eine Sünde bedeuten: "Landflucht kann ich im Krieg machen, ich werde es nicht wegen des Geldes machen."

Im noblen Emporio Armani Caffé in München diskutiert Grupp mit anderen Unternehmern über die Ergebnisse der Exklusiv-Studie "Perspektive Mittelstand", erstellt vom manager magazin und dem Stromanbieter Watt. Demnach schätzen mehr als zwei Drittel der mittelständischen Unternehmer die Situation des eigenen Betriebs als nicht gut ein. Grupp dagegen macht Schlagzeilen mit seiner 1200-Mitarbeiter-Firma im baden-württembergischen Burladingen, weil er trotz Krisen in der Textilbranche weder Leute entlässt noch Auswanderung in Billiglohnländer erwägt.

Plädoyer für Korrektheit und Anständigkeit

Während ein Großteil der mittelständischen Unternehmer laut Studie die Schuld für die Krise bei der Politik sucht, schimpft Grupp über verantwortungslose Unternehmenslenker: "Wer sagt, er hat ein großes Problem, der ist ein Versager."

Grupp, der selbst mit seinem Privatvermögen für Trigema haftet, hält ein Plädoyer für Korrektheit und Anständigkeit. Er erzürnt sich über Pleitiers, die nichts hinterließen als Schuldenberge - ohne dafür geradestehen zu müssen. Man könne ja auch nicht einfach einen teuren Maybach fahren, so Grupp, und dann die Rechnung dafür nicht bezahlen.

Die Lasten von Missmanagement müssten stets andere tragen, so Grupp: "Am Ende zahlt der Arbeitnehmer die Zeche" - mit seinem Arbeitsplatz. Bei der bissigen Analyse der Missstände redet sich Grupp in Rage und betont schließlich: "Wir sind dem Kommunismus näher als der Marktwirtschaft."

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