Von Henrik Müller
Haben Sie im Bundestagswahlkampf 2002 den Kandidaten zugehört? Gerade die Vormänner der konservativen und liberalen Oppositionsparteien, Edmund Stoiber (CSU) und Guido Westerwelle (FDP), erweckten den Eindruck, als sei das größte Problem der Republik die Steuerbelastung.
Henrik Müller, Redakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen. Dieser Essay ist eine stark gekürzte Fassung eines Kapitels aus seinem neuen Buch "Wirtschaftsirrtümer. Richtigstellungen von Arbeitszeitverkürzung bis Zinspolitik".
Zur gleichen Zeit, im Frühsommer 2002, frühstückte ich mit dem Vorstandschef eines großen deutschen Konzerns. Wir sprachen über die deutsche Politik und die Weltlage, die Industrie und die Globalisierung. Irgendwann sagte er: "Zitieren Sie mich damit bloß nicht. Aber: Dass wir in Deutschland überhaupt keine Steuern zahlen müssen, halte ich für einen Skandal."
Dank hoher Schulden und hoher Zinszahlungen brauche seine deutsche Konzernzentrale überhaupt keine Steuern zu zahlen, obwohl seine Firma damals Gewinne machte. "Das", sagte mein Gesprächspartner, "gibt es wohl nirgendwo sonst auf der Welt."
Nun lässt sich dieser Einzelfall nicht verallgemeinern - im Durchschnitt liegt die deutsche Gewinnbesteuerung im internationalen Vergleich recht hoch. Doch richtig ist auch: Insgesamt verlangt der deutsche Staat Bürgern und Unternehmen keine sonderlich hohen Steuern ab.
Dass Deutschland ein "Hochsteuerland" sei, ist eine Mär. Die Steuerquote - das Verhältnis von Steuereinnahmen zum Bruttoinlandsprodukt - liegt seit Jahrzehnten ungefähr konstant bei 25 Prozent.
Warum tun Steuern in Deutschland besonders weh?
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