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06.10.2003
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Steuerflucht

"Dann verschwinden hier zehn Milliarden Euro"

Von Martin Scheele

Zu hohe Steuern, zu hohe Abgaben: Mehr und mehr Deutsche liebäugeln mit dem Wegzug aus ihrer Heimat. Mit dem Steueroasen-Experten Hans-Lothar Merten sprach manager-magazin.de über Schwarzgeldströme, die beliebtesten Ausflaggungsziele und die geplante Steueramnestie.

mm.de:

Immer mehr deutsche Unternehmen prüfen oder vollziehen den Schritt ins Ausland. In der Schweiz haben zum Beispiel schon seit langem der Kranhersteller Liebherr und die Logistikgruppe Kühne & Nagel ihren Sitz. Von den Dax-Konzernen hat allerdings bisher noch keiner seine Zentrale verlegt. Wie beurteilen Sie die Lage?

  "Die Kundenvermögen von Deutschen bei Schweizer Banken betragen sechzig Prozent und mehr":  Hans-Lothar Merten ist gelernter Bankkaufmann und Betriebswirt und schreibt über die Themen Finanzen, Steuern und Unternehmensorganisation
JO PESENDORFER

"Die Kundenvermögen von Deutschen bei Schweizer Banken betragen sechzig Prozent und mehr": Hans-Lothar Merten ist gelernter Bankkaufmann und Betriebswirt und schreibt über die Themen Finanzen, Steuern und Unternehmensorganisation

Merten: In den Medien werden immer die spektakulären Einzelfälle genannt. Tatsächlich ist es so, dass Schweizer Banken im Moment mit Anfragen zugeschüttet werden.

Immer mehr mittelständische Unternehmen und vermögende Freiberufler tragen sich mit dem Gedanken, sich der deutschen Steuerschraube zu entziehen. Sie sehen für sich und ihr Unternehmen hier zu Lande keine Perspektive auf Besserung.

Der Vorteil der Schweiz ist die gute Vernetzung von Privatwirtschaft und Kantonen, explizit von Banken und Kantonen. Die Auslands-Banker liefern ihnen ein Komplettpaket aus juristischem und ökonomischem Sachverstand. Deutsche Banken wie zum Beispiel Sal. Oppenheim dürfen das ja offiziell gar nicht leisten - sondern müssen Anwaltskanzleien zwischenschalten. Ein teures Unterfangen.

mm.de: Welches sind denn die beliebtesten Ausflaggungsziele - und warum?

Merten: Die für Emigranten unter steuerlichen Aspekten interessantesten europäischen Staaten und Territorien lassen sich in vier Ländergruppen einteilen:

  • Länder, die auf die Erhebung von Einkommensteuer vollständig verzichten, beispielsweise Monaco und Andorra


  • Niedrigsteuerländer: Zum Beispiel Isle of Man (Spitzensteuersatz von 20 Prozent), die Kanalinseln Alderney und Guernsey (pauschal 20 Prozent)


  • Länder, die generelle steuerliche Vergünstigungen für bestimmte Einkünfte gewähren, dazu gehören Belgien, Großbritannien, Irland und Österreich


  • Länder, die Zuzüglern aus fremden Staaten besondere Vorteile gewähren (Zuzugsbegünstigung oder Vorzugsbesteuerung, neben Belgien, Luxemburg, den Niederlanden sind das Malta, die Schweiz und Zypern
  Steuerklassiker:  "Steueroasen. Handbuch für flexible Steuerzahler", Ausgabe 2004, 448 Seiten, 29,90 Euro, Walhalla-Verlag, 2003
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Steuerklassiker: "Steueroasen. Handbuch für flexible Steuerzahler", Ausgabe 2004, 448 Seiten, 29,90 Euro, Walhalla-Verlag, 2003

mm.de: In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Ausflaggung möglicherweise bald zum Nulltarif möglich ist? Wie kommt das?

Merten: Der EU-Generalstaatsanwalt ist der Auffassung, dass die so genannte Wegzugsbesteuerung (bis zu zehn Jahren nach dem Wegzug hat der deutsche Fiskus noch einen steuerlichen Zugriff) gegen das EU-Recht und gegen die EU-weite Niederlassungsfreiheit verstößt. Schließen sich die Richter des Europäischen Gerichtshofs dieser Meinung an, könnten nicht nur Privatpersonen vom deutschen Fiskus ungeschoren außer Landes ziehen, auch Unternehmen könnten ihren Sitz in jedes EU-Land verlegen, ohne dass der Fiskus hier zu Lande dann auch noch weiter abkassieren kann.

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