Von Martin Scheele
Immer mehr deutsche Unternehmen prüfen oder vollziehen den Schritt ins Ausland. In der Schweiz haben zum Beispiel schon seit langem der Kranhersteller Liebherr und die Logistikgruppe Kühne & Nagel ihren Sitz. Von den Dax-Konzernen hat allerdings bisher noch keiner seine Zentrale verlegt. Wie beurteilen Sie die Lage?
"Die Kundenvermögen von Deutschen bei Schweizer Banken betragen sechzig Prozent und mehr": Hans-Lothar Merten ist gelernter Bankkaufmann und Betriebswirt und schreibt über die Themen Finanzen, Steuern und Unternehmensorganisation
Immer mehr mittelständische Unternehmen und vermögende Freiberufler tragen sich mit dem Gedanken, sich der deutschen Steuerschraube zu entziehen. Sie sehen für sich und ihr Unternehmen hier zu Lande keine Perspektive auf Besserung.
Der Vorteil der Schweiz ist die gute Vernetzung von Privatwirtschaft und Kantonen, explizit von Banken und Kantonen. Die Auslands-Banker liefern ihnen ein Komplettpaket aus juristischem und ökonomischem Sachverstand. Deutsche Banken wie zum Beispiel Sal. Oppenheim dürfen das ja offiziell gar nicht leisten - sondern müssen Anwaltskanzleien zwischenschalten. Ein teures Unterfangen.
mm.de: Welches sind denn die beliebtesten Ausflaggungsziele - und warum?
Merten: Die für Emigranten unter steuerlichen Aspekten interessantesten europäischen Staaten und Territorien lassen sich in vier Ländergruppen einteilen:
Merten: Der EU-Generalstaatsanwalt ist der Auffassung, dass die so genannte Wegzugsbesteuerung (bis zu zehn Jahren nach dem Wegzug hat der deutsche Fiskus noch einen steuerlichen Zugriff) gegen das EU-Recht und gegen die EU-weite Niederlassungsfreiheit verstößt. Schließen sich die Richter des Europäischen Gerichtshofs dieser Meinung an, könnten nicht nur Privatpersonen vom deutschen Fiskus ungeschoren außer Landes ziehen, auch Unternehmen könnten ihren Sitz in jedes EU-Land verlegen, ohne dass der Fiskus hier zu Lande dann auch noch weiter abkassieren kann.
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