Von Dietmar Reiche
Der Angstgegner
"Basel II" lautet das Schlagwort - eine von dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht formulierte und verbindliche Richtlinie für das Kreditgeschäft der Banken. Noch gelten die neuen Regeln nicht, die unter anderem die Kreditgeber zu einer genaueren Bewertung der kreditnehmenden Unternehmen verpflichten. Doch bereits jetzt üben die Banken den Ernstfall. Geschäftsbanken, Sparkassen oder Genossenschaftsinstitute - sie alle bereiten sich vor auf "Basel II", das spätestens Ende 2006 in allen EU-Staaten in nationales Recht umgesetzt worden sein muss.
Tiefe Einschnitte: Finanzaufseher Sanio
Bankinternes Rating
Denn mit "Basel II" müssen Banken ihre Kunden noch genauer bewerten, klassifizieren und für das Kreditrisiko eine Ausfallwahrscheinlichkeit beziffern. Das sei keine Geheimwissenschaft, so Gaumert, doch ohne das bankinterne Rating (BIR) läuft bei den Banken für potenzielle Kreditnehmer in Zukunft nichts mehr. Mit starkem Gegenwind müssen in Zukunft die Mittelständler rechnen.
Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Dienstleistungsaufsicht (BaFin), glaubt, dass die Banken tiefe Einschnitte vornehmen – allein schon aus wirtschaftlichen Interessen. "Bei der Übernahme von Risiken müssen sie angemessene Preise fordern. Von Kunden, die diese Preise nicht zahlen wollen, muss man sich trennen", erklärte Sanio unlängst in einem Interview.
Weiche Faktoren
Mittelständler werden künftig durchaus mehr als die nackte Bilanz des vergangenen Jahres vorweisen müssen. "Im Zuge von 'Basel II' dürfte es zudem zu einer stärkeren Systematisierung der Ratingverfahren kommen", sagt Matthias Schoder, Mittelstandsexperte des DIHK, im Gespräch mit manager-magazin.de.
Das wirklich Neue des bankinternen Ratings ist die systematische Analyse der so genannten weichen Faktoren. Zu diesen zählen zum Beispiel die Qualität des Managements, des Controllings und der Personalentwicklung. Die weichen Faktoren bestimmen künftig zu 40 oder mehr Prozent das bankinterne Ratingergebnis. Je größer das Unternehmen ist, umso mehr zählen die weichen Faktoren - im Einzelfall bis zu 60 Prozent bei der Bewertung.
Harte Faktoren
Das Kernstück der harten Faktoren - das andere Analyseziel des bankinternen Ratings - bilden nach wie vor ausgewählte Kennzahlen aus dem Jahresabschluss eines Unternehmens. Auch sie bestimmen das Ratingergebnis mit einem Gewicht von 40 bis 60 Prozent entscheidend mit. In der Gruppe der harten Faktoren untersuchen die Banken die Ertrags-, die Vermögens- und die Finanzlage. Ein solides Finanzmanagement steht dabei an erster Stelle. Zusätzlich ziehen einige Banken auch branchenspezifische Kennzahlen aus zwischenbetrieblichen Vergleichen heran.
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