Freitag, 14. Dezember 2018

Missmanagement bei Adidas Der schlappe Champion

Der Tod von Horst Dassler im April 1987 hinterließ eine große Lücke an der Spitze des Sportartikel-Herstellers. Albert Henkel glaubte diese Lücke ausfüllen zu können. Doch schnell stellte sich heraus: Er war überfordert.

Hamburg - Albert Henkel, im Hauptberuf Anwalt und Besitzer einer eigenen Kanzlei in Nürnberg, wollte Unternehmer spielen. Das hatte er schon einmal vor seinem Engagement in Herzogenaurach versucht - mit wenig Erfolg. Er war verstrickt in den spektakulären Zusammenbruch des Textilimperiums Glöggler in den siebziger Jahren.

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Adidas-Gründer Adolf "Adi" Dassler schreckte der wirtschaftliche Misserfolg Henkels nicht ab. Er machte den Advokaten und verhinderten Unternehmer zum Berater. Als Firmengründer Adolf Dassler 1978 starb, trat Henkel als Testamentsvollstrecker auf. Witwe Käthe Dassler wurde Chefin, war aber für die Unternehmensführung zu unbedarft. Sie war froh, in Henkel einen in ihren Augen kompetenten Berater zu haben.

Der Anwalt knüpfte zudem starke Bande zu den vier Dassler-Töchtern, hievte Männer seines Vertrauens auf wichtige Positionen im Konzern, eignete sich Herrschaftswissen an und wurde so unentbehrlich.

Horst Dassler blieb seinen Schwestern suspekt

Er konnte aber nicht verhindern, dass der Sohn von Adolf und Käthe Dassler, Horst Dassler, 1980 an die Spitze rückte. Dassler junior war der unumstrittene Herrscher bei Adidas. Doch blieben seine Pläne und Taten den Schwestern stets suspekt.

Als Horst Dassler im April 1987 starb, bot sich Henkel als Nachfolger an, gestützt von den Dassler-Schwestern. Eine seiner ersten Taten: Er installierte eine komplizierte Führungsstruktur mit viel zu langen Entscheidungswegen.

Doch Entscheidungen mussten schnell gefällt werden. Konkurrenten wie Nike oder Reebok hatten auf den wichtigsten Sportartikel-Märkten USA und Japan die Marke mit den drei Streifen längst überholt.

Das große Geschäft verschlafen

Die Produktpalette war unübersichtlich und langweilig, der Eigenproduktionsanteil zu groß. Trends wie die Jogging- und Aerobic-Bewegung waren von dem einstigen Weltmarktführer verschlafen worden. Die Vertriebswege waren zu lang und zu kompliziert.

All diese Probleme vermochte Henkel nicht zu lösen. Zum 1. November 1987 ernannte der Stiftungsbeirat Rene Jäggi, seit 1986 im Vorstand, zum neuen Chef. Auch Jäggi schaffte die Trendwende nicht. Im Juli 1990 übernahm überraschend der schillernde Franzose Bernhard Tapie zum Preis von rund 470 Millionen Mark die Kapitalmehrheit (80 Prozent) an Adidas. Doch schon 1993 zog sich der finanzielle klamme Tapie endgültig wieder zurück.

Dreyfus der "Retter"

Adidas erholte sich erst, als ein von Robert Louis-Dreyfus angeführtes internationales Konsortium den Konzern übernahm und Louis-Dreyfus selbst 1993 Vorstandschef wurde.

 Hoffnungsträger: Der neue Adidas-Chef Herbert Hainer
DPA
Hoffnungsträger: Der neue Adidas-Chef Herbert Hainer
Der als "Retter von Adidas" gefeierte Manager investierte konsequent in Werbung, verlagerte die Produktion ins Ausland und brachte den Konzern schließlich 1995 erfolgreich an die Börse.

In seine Amtszeit fiel aber auch eine der umstrittensten Entscheidungen: Der Kauf des französischen Wintersportausrüsters Salomon. Die Integration, lange vernachlässigt, belastet Adidas noch heute. Dreyfus-Nachfolger Herbert Hainer holt jetzt zum großen Schlag aus und will Weltmarktführer Nike angreifen.


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