Mittwoch, 14. November 2018

Missmanagement bei Metallgesellschaft Schmählicher Abgang

Als Heinz Schimmelbusch 1989 an die Spitze des Konzerns rückte, verbreitete er Aufbruchstimmung. Doch er führte das Unternehmen an den Rand des Ruins. Vier Jahre später endete seine Amtszeit in einer Schlammschlacht.

 Fristlos entlassen: Heinz Schimmelbusch
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Fristlos entlassen: Heinz Schimmelbusch

Hamburg - Jesuiten-Schüler Heinz Schimmelbusch war angetreten, den verschlafen und schwerfällig wirkenden Rohstoff-Konzern aufzuwecken. Der neue Chef machte sich daran, nicht nur den Rohstoffbereich mit technischer Kundenberatung zu verbinden, sondern zu diversifizieren und sich in der Umwelttechnik zu engagieren.

Schimmelbusch ging auf Einkaufstour. Er erwarb unter anderem Feldmühle Nobel (Feno), Dynamit Nobel für den Chemiebereich, Buderus für das Stahl- und Gussgeschäft und die Heizungs- und Umwelttechnik sowie den Feno-Bereich technische Keramik (Cerasiv GmbH) - allesamt "Perlen" des ehemaligen Flick-Konzerns.

Mit Umsatzanstieg in die Krise

Die Industrieaktivitäten der Metallgesellschaft verdoppelten sich, doch der Konzern wurde unübersichtlicher. Schimmelbusch musste sich vorwerfen lassen, ein "viel zu großes Rad zu drehen".

Immerhin hob er durch die Zukäufe den Konzernumsatz um zehn Milliarden Mark. Doch die Autokrise, der Verfall der Rohstoffpreise und Billigangebote aus den osteuropäischen Rohstoffländern machten dem Unternehmen mehr und mehr zu schaffen. Die Dividende für das Geschäftsjahr 1991/92 konnte nur durch Auflösung stiller Reserven bezahlt werden.

Schnelles Ende

Bereits im folgenden Geschäftsjahr 1992/93 erhielt Schimmelbusch die Quittung für seine ungebremste Expansionslust. Das Unternehmen wies einen Verlust von 347 Millionen Mark aus.

 Erst Retter, jetzt Sünder? MG-Technologies-Chef Kajo Neukirchen
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Erst Retter, jetzt Sünder? MG-Technologies-Chef Kajo Neukirchen
Wenig später wurde bekannt, dass sich die amerikanische Tochtergesellschaft bei riskanten Öltermingeschäften hohe Verluste eingehandelt und damit den Konzern an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht hatte. Am 17. Dezember 1993 wurde Schimmelbusch und sein Finanzvorstand Meinhard Forster vom Aufsichtsrat fristlos entlassen.

Im Januar 1994 leitete die Staatsanwaltschaft gegen Schimmelbusch ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue und Verstoß gegen das Aktiengesetz ein, zwei Monate später folgte ein Verfahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Nachfolger Kajo Neukirchen verlangte den Gläubigerbanken wie den Großaktionären Deutsche Bank und Dresdner Bank Finanzhilfen in Höhe von 3,4 Milliarden Mark ab. Der von Neukirchen 1994 vorgelegte revidierte Konzernabschluss 1992/93 bezifferte den Jahresfehlbetrag mit 1,969 Milliarden Mark, allein die Risikogeschäfte im Ölgeschäft machten 1,6 Milliarden Mark aus.

Klage und Gegenklage

Die öffentliche Meinung gab die Schuld am Debakel Schimmelbusch und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Metallgesellschaft, Ronaldo Schmitz, von der Deutschen Bank. Schimmelbusch sah sich als Opfer einer von Schmitz, Deutscher Bank und Metallgesellschaft gesteuerten "systematischen Verleumdungskampagne" und reichte im Januar 1995 in New York eine Klage auf mindestens zehn Millionen Dollar Schadenersatz ein.

Im Februar 1995 konterte die Metallgesellschaft verklagte Schimmelbusch wegen angeblich "grober Pflichtverletzung" auf 25 Millionen Mark Schadenersatz.

Außergerichtlicher Vergleich

Im März 1997 endete der Streit mit einem außergerichtlichen Vergleich: Die fristlosen Abgänge Schimmelbuschs und des Finanzvorstandes Forster vom Dezember 1993 wurden annulliert und die Dienstverträge zur Jahresmitte 1994 beendet. Schimmelbusch kassierte 1,5 Millionen Mark.

Das Ermittlungsverfahren der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen Untreueverdachts wurde im Mai 1998 wegen "geringer Schuld" mit Zahlungsauflagen (Geldbuße von insgesamt 900.000 Mark) eingestellt. Hinweise auf persönliche Bereicherung hätten sich nicht ergeben.

Neue Schlammschlacht

Nachfolger Neukirchen baute derweil den Konzern um und verkaufte etliche Beteiligungen. Schon 1994 war die Metallgesellschaft wieder in den schwarzen Zahlen. Das Unternehmen konzentrierte sich auf vier Säulen: Handel, Anlagenbau, Chemie und Gebäudetechnik. Die Umbenennung in MG Technologies trug der Neuausrichtung Rechnung.

Neukirchen, einer der laut mm-Recherchen bestbezahlten deutschen Vorstandschefs, gerät allerdings schon bald selbst unter Beschuss. MG Technologies gilt als Übernahmekandidat. Mit dem Großaktionär Otto Happel (etwa zehn Prozent) lieferte er sich im Frühjahr dieses Jahres eine heftige Auseinandersetzung. Gegenseitig warfen sich die Kontrahenten Bilanztrickserei und private Bereicherung vor. Happel wollte Neukirchen stürzen. Neukirchen siegte vorerst und ist als Vorstandschef vom Aufsichtsrat bestätigt worden.

Unterdessen steht Neukirchen jedoch ernsthaft in Verdacht, die angebliche Schieflage des Konzerns mit geschönten Angaben verschleiert zu haben. Das berichtet das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe unter Berufung auf ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Ein neuer Skandal kündigt sich an.


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