Mittwoch, 17. Oktober 2018

Missmanagement bei Rollei Aus dem Rahmen gefallen

Das Braunschweiger Fotografie-Unternehmen wollte Anfang der siebziger Jahre hoch hinaus. Doch der Traum endete zehn Jahre später mit dem Konkurs.

 Legendär: Eine Spiegelreflexkamera der Marke Rollei aus dem Jahr 1929
DPA
Legendär: Eine Spiegelreflexkamera der Marke Rollei aus dem Jahr 1929

Hamburg - Die Gefahr kam aus Japan. Dank Massenproduktion überschwemmten die Asiaten Anfang der siebziger Jahre den Weltmarkt mit preisgünstigen Spiegelreflexkameras. Um der Konkurrenz aus Fernost Paroli zu bieten, suchte Rollei-Geschäftsführer Heinrich Peesel sein Heil in der Offensive. Expansion um jeden Preis, lautete sein Konzept. Er stieg ebenfalls in die Massenproduktion ein.

Doch nicht in Deutschland installierte der ehrgeizige Manager neue Fertigungsverfahren. Er ging nach Singapur. Ein Jahr nach der ersten Warnung im manager magazin stellte 1974 ein Gutachten fest: Die in einem vierjährigen Kraftakt in Singapur installierten Kapazitäten hätten Rollei ruiniert. Konsequenz: Peesel musste gehen.

Fliegende Wechsel

Das Unternehmen erholte sich nicht mehr. 1981 kam der Konkurs. Ein Jahr später übernahm der Londoner Konzern United Scientific Holdings die Braunschweiger Firma. Schwarze Zahlen schrieb Rollei erst, als Fotounternehmer Heinrich Mandermann 1987 Eigentümer der Traditionsfirma wurde.

1995 erwarb die Samsung-Gruppe Rollei. Als die Asienkrise den koreanischen Konzern erwischte, trennte er sich 1999 wieder von seinem deutschen Eigentum. Abnehmer war Paul Dume, der gemeinsam mit sechs anderen Managern die Braunschweiger Firma übernahm.

Bescheidener Neuanfang

Anfang Dezember 2000 stellte Dume fest: "Der Anfang ist geglückt." Zwar mache das Unternehmen noch Verluste, doch 2003 sollen laut Dume die ersten Gewinne fließen. Heute arbeiten nur noch 170 Mitarbeiter für Rollei, vor 30 Jahren waren es noch mehrere Tausend.


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