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manager magazin



28.08.2001
 

Missmanagement bei AEG

"Am Ende gescheitert"

Aus Erfahrung gut - der Werbeslogan des einstmals zweitgrößten Elektrokonzerns ist noch bekannt. Auch die Marke lebt noch, doch das Unternehmen ist tot. Das Siechtum dauerte über 20 Jahre.

  Das Ende:  Sprengung der AEG-Zentrale in Frankfurt am Main
DPA

Das Ende: Sprengung der AEG-Zentrale in Frankfurt am Main

Hamburg - Das Ende der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) nach 113 Jahren war nicht ohne Pathos. Am 26. September 1996 holte ein Kran mit seinem langen Arm die drei Buchstaben vom Dach des ehemaligen Verwaltungsgebäudes am Theodor-Stern-Kai in Frankfurt am Main. Ein "Monument deutscher Industriegeschichte" ("Neue Züricher Zeitung") war gestürzt.

Sechs Tage zuvor war die Verschmelzung der AEG mit ihrem Großaktionär Daimler-Benz abgeschlossen. Die AEG wurde aus dem Handelsregister gestrichen, die Notierung an der Börse eingestellt.

Auch Daimler-Benz scheiterte an AEG

Dem Automobilkonzern ist die Sanierung des über Jahrzehnte siechenden Elektrospezialisten nicht gelungen. 1985 war er bei AEG eingestiegen, ein Jahr später besaß er die Mehrheit. "Eine eigenständige AEG mit gewachsener Unternehmenskultur" sollte noch einmal entstehen, hieß es aus der Stuttgarter Daimler-Zentrale.

Doch die "wunderbaren Synergieeffekte", von denen Daimler-Benz-Vorsteher Edzard Reuter zu Beginn schwärmte, blieben ein Wunschtraum. Die AEG musste unter dem eingesetzten Chef Heinz Dürr weiterhin Teile des Unternehmens verkaufen, um die Löcher in den Bilanzen zu stopfen. Die Konkurrenten konnten sich bedienen. Zu Billigstpreisen gingen Telenorma, die ANT-Nachrichtentechnik, die Marine- und Verteidigungstechnik, der Mobilfunk, die Elektrowerkzeuge und die Haushaltsgeräte an die Käufer.

Alles nur Fassade

  Heinz Dürr im mm-Interview:  "Als ich die AEG aus dem Vergleich führte, was keine schlechte Leistung war, da war ich der Minusmann schlechthin."
DPA

Heinz Dürr im mm-Interview: "Als ich die AEG aus dem Vergleich führte, was keine schlechte Leistung war, da war ich der Minusmann schlechthin."

Die Ursachen des Scheiterns der AEG finden sich zu Beginn der siebziger Jahre. 1970 erzielte der Elektrokonzern mit 178.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 8,4 Milliarden Mark Höchststände seiner Firmengeschichte. Doch das war längst nur noch Fassade.

Trotz großer Innovationskraft hatte der Zerfallsprozess schon eingesetzt. Vorstände und Aufsichtsräte wechselten ständig. Von Kontinuität keine Spur. Zukäufe wie die Haushaltsgeräte-Firmen Zanker, Küppersbusch, Neff und Linde waren zumeist kreditfinanziert.

Innovationskraft nicht genutzt

Der Wert eigener Erfindungen wurde nicht erkannt. So entwickelte das Unternehmen das Schrägspur-Aufzeichnungsverfahren, das die Konkurrenz für ihre Videogeräte nutzte. AEG-Ingenieure bauten den ersten Großcomputer und das erste Atom-Versuchskraftwerk. Auch das PAL-Farbfernsehsystem stammte aus den AEG-Labors.

Der Konjunktureinbruch in den siebziger Jahren und der erhöhte Konkurrenzdruck durch fernöstliche Anbieter von Unterhaltungselektronik führten zu hohen Verlusten. Zum unternehmerischen GAU geriet das Engagement im Kernenergie-Geschäft mit dem Atomkraftwerk Würgassen, durch das die AEG über eine Milliarde Mark verlor.

Teurer Vergleich

  Gescheiterter Visionär:  Edzard Reuter, der ehemals mächtigste Industrielenker Deutschlands, hat jede Beziehung zu seinem Ex-Arbeitgeber Daimler abgebrochen
DPA

Gescheiterter Visionär: Edzard Reuter, der ehemals mächtigste Industrielenker Deutschlands, hat jede Beziehung zu seinem Ex-Arbeitgeber Daimler abgebrochen

Am 9. August 1982 musste der Konzern Vergleich anmelden. Er kostete die Gläubiger 4,4 Milliarden Mark. Ein starker Partner wurde gesucht und in Daimler-Benz gefunden. Dessen Chef Edzard Reuter hatte die Vision, einen Technologie-Konzern zu schaffen. Doch trotz der mehr als drei Milliarden Mark, die Daimler in die AEG steckte, flossen niemals Gewinne.

"Der Fehler der AEG war, dass Größe das einzige Ziel war", sagte der Historiker und ehemalige AEG-Mitarbeiter Peter Strunk der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im Juli dieses Jahres. Die zugekauften Gesellschaften seien mangelhaft bis gar nicht in den Konzern integriert worden. Es habe eine Vielfalt an Entscheidungsebenen geherrscht.

AEG noch immer ein Verkaufsschlager

20 Lizenznehmer und etwa ebenso viele Unternehmen, die AEG in ihren Namen führen dürfen, hat die Elektroholding GmbH als Nachlassverwalter registriert. Ironie des Schicksals: Fast alle AEG-Marken machen unter ihren neuen Eigentümern Gewinn.

Die Kunden haben AEG nicht vergessen. Bei einer Umfrage unter Verbrauchern im Jahr 2000 lag AEG mit 35 Prozent an erster Stelle bei der Frage, welche Marke sie beim Kauf von Geräten für eine Einbauküche bevorzugen.


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