Montag, 10. Dezember 2018

Die 50 Mächtigsten Der säuselnde Schlichter

Reinhard Pöllath ist gelungen, was Beobachter für kaum mehr möglich hielten: Der renommierte Wirtschaftsanwalt hat die zerstrittenen Herz-Familien vorerst befriedet. Nun bastelt der Tchibo-Aufsichtsrat an einer neuen Eigentümerstruktur für den Hamburger Beiersdorf-Konzern.

Er kommt ruhig und gemütlich daher, er säuselt gern auf urbayerisch, und sein schnittiges gelbes Cabrio hat ein Münchener Kennzeichen: Auch an seinem Zweitwohnsitz Hamburg mag der gebürtige Oberfranke Reinhard Pöllath (55) seine Herkunft nicht verleugnen.

"Plötzlich waren alle sehr nett zu mir": Reinhard Pöllath
Warum auch? Der renommierte Jurist und Partner der Kanzlei Pöllath + Partner ist in der Hansestadt bestens im Geschäft. Mehr noch: Pöllath ist ein hoch angesehener Ratgeber der feinsten Hamburger Kreise - so etwa der Familie Herz (Tchibo).

Viele Jahre wirkte Pöllath klammheimlich hinter der Kulisse - als M&A-Anwalt und Ratgeber etlicher vermögender Familienfirmen, über die er nicht gerne spricht. Sein Geschäft floriere bestens, verrät der Wirtschaftsanwalt immerhin: "Der Bedarf an Rat hat sich bei den Familienfirmen in den vergangenen Jahren multipliziert". Die Eigentümer diskutierten mit ihm vorab ausgiebig jede Entscheidung und suchten immer wieder neue Wege für eine möglicherweise elegantere Lösung ihrer Probleme.

"Interimschef" an der Spitze der Tchibo Holding AG

Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Pöllath erst, als ihm die Familie Herz zu seiner eigenen Überraschung ein wichtiges Amt andiente: Elf Monate lang stand Pöllath - zuvor im Aufsichtsrat - als "Interimschef" an der Spitze der Tchibo Holding AG in Hamburg.

Dann übernahm Dieter Ammer, der frühere Geschäftsführer der Brauereigruppe Interbrew Deutschland Börsen-Chart zeigen (Beck's, Gilde, Diebels), das Amt. Vor Pöllath hatte Ludger Staby den Vorstandsposten 17 Monate inne. Staby fädelte den Verkauf der Zigaretten-Tochter Reemtsma an die britische Imperial Tobacco Börsen-Chart zeigen ein und spülte Tchibo damit sechs Milliarden Euro in die Kasse.

Heute noch mag Pöllath über die Zeit als Vorstandsvorsitzender still lächeln. Er, der unkonventionelle Jurist, in dessen kleiner Kanzlei (14 Partner, 130 Beschäftigte in Berlin, München und Frankfurt) Hierarchien nie eine bedeutende Rolle spielten ("Wir Partner haben alle die gleichen Rechte"), war Chef von tausenden Mitarbeitern und spürte die Mühlen der Konzernbürokratie. "Plötzlich waren alle sehr nett zu mir", schmunzelt Pöllath, dem Ämter und Titel nicht sehr wichtig scheinen.

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