Mittwoch, 21. November 2018

Die 50 Mächtigsten Der Vater des Squeeze-out

Der Düsseldorfer Starjurist Michael Hoffmann-Becking ist ein Multitalent: Er berät Deutschlands feinste Familien, sitzt in prominenten Aufsichtsräten und unterstützt die Politik bei wichtigen Gesetzesvorhaben.

Michael Hoffmann-Becking (60) betreut als Anwalt und Ratgeber vor allem Großkonzerne (zum Beispiel RWE) und reiche Unternehmerfamilien. Die Mohns, die Quandts, die Stihls, die Boehringers (Ingelheim) und die Versandhauserbin Madeleine Schickedanz gehören zur feinen Kundschaft des Düsseldorfer Starjuristen. Im Aufsichtsrat des Medienkonzerns Bertelsmann ist Hoffmann-Becking gar dienstältestes Mitglied.

 Michael Hoffmann-Becking: "Große Kapitalgesellschaften und verschwiegene Familienfirmen sind zwei verschiedene Paar Schuhe"
Norbert Enker
Michael Hoffmann-Becking: "Große Kapitalgesellschaften und verschwiegene Familienfirmen sind zwei verschiedene Paar Schuhe"
Zu seinem Naturell passt es, dass der zurückhaltende und konservative Jurist schon seit 1975 Partner der Anwaltssozietät Hengeler Müller ist - eine der wenigen namhaften Wirtschaftskanzleien in Deutschland, die tapfer der Fusionswelle in der Anwaltschaft trotzen. "Keine Machtanmaßung" lautet seine wichtigste Devise. Ein Anwalt dürfe seine Mandanten nicht zu "fremden Entscheidungen" drängen, sondern müsse unabhängigen Rat geben.

Die Beratung großer Kapitalgesellschaften und verschwiegener Familienfirmen seien doch "zwei verschiedene Paar Schuhe", hat der Anwalt festgestellt. Diese Rechtskombination existiere in seiner Branche nur sehr selten. Während er bei Familiengesellschaften für seine Arbeit zuweilen Dankbarkeit erfahre, gehe es bei den Kapitalgesellschaften doch sehr viel anonymer und rationaler zu.

Bei der Akquisition der vielen prominenten Mandate hilft es dem Düsseldorfer Anwalt sehr, dass er ein allseits geschätztes Mitglied der Deutschland AG ist. Es sei sehr wichtig, sich ein eigenes Netzwerk zu schaffen und es permanent zu pflegen, meint der Aktienrechtler. Durch die Kontakte erhalte er schnelleren und intensiveren Zugang zu den wichtigsten Managern des Landes. Den guten informellen Beziehungen sei es zudem zu verdanken, dass auch schwierige Fusionsverhandlungen rascher zu einem erfolgreichen Ende geführt werden könnten.

Die Praxis der Arbeit in den Aufsichtsgremien habe sich enorm verbessert, beobachtet Hoffmann-Becking. Die alte Honoratioren-Generation sei kaum mehr anzutreffen und die Kartelle der Nichteinmischung ("Ich gehe in deinen Aufsichtsrat und lasse dich in Ruhe, du bist in meinem Kontrollgremium und störst mich ebenso wenig") gebe es immer seltener. "Wir sind auf dem Wege einer Konvergenz des amerikanischen Board- und des deutschen dualistischen Systems", beobachtet der Anwalt.

Erholung bei barocker Bach-Musik

Neben Kapital- und Familiengesellschaften berät der Rechtsprofi auch Politiker und kommentiert deren Gesetzesvorhaben. Als Vorsitzender des Handelsrechtsausschusses des Deutschen Anwaltvereins (DAV) kümmert er sich um das Gesellschaftsrecht. So beruht etwa die Neuregelung des Squeeze-out (bei einem Anteilsbesitz von mehr als 95 Prozent der Aktien können die verbliebenen freien Aktionäre gegen Zahlung einer Abfindung aus dem Aktionärskreis "gequetscht" werden) auf einem Vorschlag von Hoffmann-Becking und seinen Kollegen.

Bei diesen vielen Verpflichtungen bleibt dem Starjuristen nur wenig Zeit, den Hobbys nachzugehen. In seiner Freizeit liest er gerne historische und politische Literatur. Zudem forscht der Honorarprofessor, der noch selber Vorlesungen hält, gerne in der Juristerei. Die schönste Erholung allerdings erfährt Hoffmann-Becking bei den Klängen barocker Musik während der Bach-Woche.


Die 50 mächtigsten Manager

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