Donnerstag, 15. November 2018

Die 50 Mächtigsten Der Moderator

Nach über drei Jahrzehnten an den Hebeln der Macht tritt Klaus Liesen nun endgültig ins zweite Glied zurück. So wie sein Wirken läuft auch dieser Wechsel fast geräuschlos ab.

Dem Mann kann einfach keiner böse sein. Als Fondsmanager und Aktionärsschützer Ende April auf der Hauptversammlung der Allianz in der Münchener Olympiahalle eine Kanonade an Vorwürfen gegen die Führungscrew des Finanzriesen losließen, wurde Klaus Liesen (72) von einigen Rednern sogar explizit ausgeklammert.

Der große alte Mann der deutschen Wirtschaft: Seit 1970 spielt Klaus Liesen in der ersten Manager-Liga
Ob es nun am Respekt vor dem Alter oder der Lebensleistung Liesens lag, dass er auf seiner letzten Hauptversammlung als Aufsichtsratschef der Allianz mit Samthandschuhen angefasst wurde, sei dahingestellt. Wahrscheinlich spielte beides eine Rolle.

Ihm selbst mag es egal gewesen sein. 15 Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender bei Volkswagen (bis 2002), jeweils sieben Jahre AR-Chef bei Allianz und Ruhrgas sowie drei Jahre Oberaufseher bei Eon verleihen die ausreichende Routine.

Mit links steckt der große alte Mann der deutschen Wirtschaft so einen Doppelmarathon - einen Tag nach der Allianz-HV gab Liesen beim Eon-Aktionärstreffen in Essen ebenfalls seine Abschiedsvorstellung als Vorsitzender des Aufsichtsrats - aber nicht mehr weg. Im Anschluss gönnte sich Liesen verdientermaßen zwei Wochen Urlaub.

Noch räumt der promovierte Jurist, der 1970 in den Vorstand der Ruhrgas AG berufen wurde und jetzt Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats beim pikanterweise jüngst von Eon geschluckten Energiekonzern ist, sein Büro in Essen nicht. Schließlich fungiert er noch für ein paar Jahre als einfacher Aufsichtsrat sowohl bei eben Eon als auch bei Volkswagen.

Ein Kommandeur königlicher Verdienstorden

Ein Beispiel dafür, wie es Liesen, der als Chefkontrolleur den starken Vorstandsvorsitzenden wie Ferdinand Piëch, Henning Schulte-Noelle und Ulrich Hartmann meistens freie Hand ließ, dennoch verstand zu punkten, ist die gelungene Vermittlung zwischen Volkswagen und General Motors (GM). Liesens diplomatischem Geschick war es zu verdanken, dass die Spionageaffäre um den von GM nach Wolfsburg gewechselten Topmanager José Ignacio Lopez im Januar 1997 außergerichtlich beigelegt werden konnte.

Liesens kommunikative Fähigkeiten finden auch außerhalb Deutschlands ihr Echo. So wurde der gebürtige Kölner nicht nur mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern, dem Bayerischen Verdienstorden und der Niedersächsischen Landesmedaille dekoriert, sondern auch zum Kommandeur des Königlich Norwegischen Verdienstordens und des niederländischen Ordens von Oranje-Nassau ernannt. 2001 schließlich bekam er für seine Verdienste um die norwegisch-deutschen Beziehungen den Willy-Brandt-Preis verliehen.

Bei so viel königlichem Glanz wäre es ja auch wirklich zu schade gewesen, Liesens Abgang von der großen Wirtschaftsbühne mit profanen Aktionärsinteressen zu belasten.


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