Mittwoch, 14. November 2018

Die 50 Mächtigsten Ein Adler in großer Höhe

Dieter Rickert ist der wohl einflussreichste Personalberater des Landes. Ob Werner Seifert oder Gerhard Cromme - der unkonventionelle Headhunter hat Dutzende Topmanager in die Konzernspitzen katapultiert.

Wen es auf der Karriereleiter an die Konzernspitze drängt, der landet früher oder später auf der berühmten Liste von Dieter Rickert (63), dem wohl einflussreichsten Personalberater Deutschlands. Rickert kennt nahezu alle Spitzenmanager persönlich. Und wer hier zu Lande etwas werden will, der sollte den gebürtigen Hamburger mit Münchener Wohnsitz ebenso kennen.

Strippenzieher auf höchstem Niveau: Personalberater Dieter Rickert
Von den größten 100 deutschen Konzernen sind mehr als die Hälfte Rickerts Kunden, von den 50 mächtigsten Managern Deutschlands kennt er 43 persönlich. Rickert ist ein Strippenzieher auf höchstem Niveau.

Das "Massengeschäft" der üblichen Personalberatungen interessiert ihn nicht, er konzentriert sich allein auf die "Crème de la Crème der Wirtschaft", also Vorstände und Vorstandsvorsitzende. Die trifft er beim Golfen (Rickert selber hat immerhin Handicap 15), bei gesellschaftlichen Anlässen, in Hotels oder ganz geheim zum Abendessen.

Seit nun einem Vierteljahrhundert kümmert sich Rickert aus dem Grünwalder Büro mit nur zwei weiteren Kollegen um die Elite der Wirtschaft. "Ein Adler fliegt am besten in großer Höhe allein", meint er und will sich partout keiner der großen internationalen "Executive-Research-Ketten" anschließen. Neben seiner Sekretärin hat Rickert nur noch Partrick Fulghum (39) als Partner. Er ist Sohn seines legendären "Lehrmeisters" Jim Fulghum, einem der Altväter des Headhuntings in Europa.

Nicht nur gegen Vorkasse

Im Grünwalder Keller lagern hunderte Dossiers über deutsche Spitzenmanager. Ein bis zwei Dutzend Abschlüsse schafft der Berater im Jahr, Besetzungen von Spitzenpositionen ab 300.000 Euro Jahreseinkommen. Rickert hat etwa Werner Seifert (Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen), Gerhard Cromme (ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen), Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn) oder Jürgen Richter (Bertelsmann) nach oben katapultiert.

Sein Minimumhonorar für eine Suche beträgt 100.000 Euro. Nach dem erfolgreichen Abschluss erhält er in der Regel ein Drittel der jeweiligen Gesamtjahresbezüge. Bei einem Durchschnittseinkommen von 500.000 Euro der von ihm vermittelten Positionen kommt eine Menge Geld zusammen. Zudem arbeitet Rickert nicht nur gegen Vorkasse, was seine Konkurrenten von Zehnder oder Mülder aufregt und ihn nach eigener Aussage zum "bestgehassten Mann der Branche" macht.

Deutschland "wachrütteln"

Wer allerdings denkt, dass ein Urgestein wie Rickert keine sozialen oder politischen Ambitionen hat, der irrt. Seit kurzem ist Rickert, enttäuscht von der Reformbereitschaft der Berliner Regierenden, dabei, die Stiftung "Klarheit in die Politik" ins Leben zu rufen.

Die 50 mächtigsten Manager des Landes und die 30 Chefs der im Dax notierten Konzerne sowie deren Aufsichtsratsvorsitzende hat er persönlich angeschrieben, um sie für seine Initiative zu gewinnen.

Ziel soll sein, in einer gewaltigen Medienkampagne das Land "wachzurütteln" und auf die Schwächen der uns Regierenden aufmerksam zu machen. Bei den voraussichtlichen Kosten der Kampagne zuckt Rickert nicht einmal mit der Wimper: 100 Millionen Euro will er für diesen Coup "beschaffen".


Die 50 mächtigsten Manager

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