Freitag, 16. November 2018

Die 50 Mächtigsten Der Pragmatiker

Auch wenn Hubertus Schmoldt ein energischer Gewerkschaftsführer ist - der Chef der IG Bergbau, Chemie und Energie gibt sich durchaus empfänglich für wirtschaftliche Notwendigkeiten. Seine moderne und offene Art bringt ihn immer wieder als Kandidat für das Kabinett Schröder ins Gespräch.

Wie ein ideologisch verbrämter Gewerkschafter kommt Hubertus Schmoldt nun wahrlich nicht daher. Der Chef der IG Bergbau, Chemie und Energie wirkt eher modern, pragmatisch und weltoffen. Schmoldt gilt als der Unternehmer unter den Gewerkschaftern und als "Liebling des Kanzlers". Zwar hat der gelernte Maschinenschlosser den Ruf eines harten Verhandlers. Doch er ist eben nicht ideologisch verblendet und durchaus empfänglich für wirtschaftlich logische Argumente.

Realistisch und offen: Gewerkschafter Hubertus Schmoldt ist ein begehrter Gesprächspartner
Einen besonders engen Draht pflegt Schmoldt zu Wolfgang Clement ("mein alter Bekannter"). Mit dem "Superminister" hat der Gewerkschaftsführer vorab sämtliche Details des umstrittenen Reformpaketes besprochen und mögliche Widerstände aus dem Arbeitnehmerlager diskutiert. Der sehr ruhig und nachdenklich auftretende Sozialdemokrat Schmoldt scheut sich eben nicht, zentrale Gewerkschaftspositionen, die über Jahre wie heilige Kühe gepflegt worden sind, unter dem Druck der miserablen Wirtschaftsdaten in Frage zu stellen.

Kündigungsschutz, Lohnnebenkosten, Mitbestimmung - während andere Arbeitnehmerführer wie Frank Bsirske (Verdi) oder Jürgen Peters (IG Metall) bei diesen Themen sofort vehement blocken und die alte Gewerkschaftsleier herunterbeten, warnt Schmoldt seine Kollegen vor einer reinen Verweigerungshaltung und bekundet Reformbereitschaft. "Wenn vernünftige und sozial vertretbare Vorschläge zur Veränderung des Kündigungsschutzes gemacht werden, dann erwartet man zu recht von uns, dass wir uns damit auseinander setzen," begründet der 58-Jährige seine Gesprächsbereitschaft.

Ein potenzieller Ministerkandidat

Fraglich allerdings ist, ob sich Schmoldt gegen die mächtigen Kollegen durchsetzen kann. Denn die IG Bergbau, Chemie und Energie, die er seit 1997 anführt, ist mit ihren 834.000 Mitgliedern nur ein kleiner Fisch gegenüber den mitgliederstarken Organisationen Verdi und IG Metall. Zumindest in seiner eigenen Branche hat Schmoldt mit Intelligenz und Zähigkeit einiges erreicht: Nirgendwo sind die Tarifverträge flexibler und besser vergütet als in der Chemieindustrie.

So ist es auch kein Wunder, dass der moderne Gewerkschaftsführer von den Arbeitgebern wohlwollende Unterstützung erfährt. Schmoldt sei verlässlich und unspektakulär, lobt etwa Hans Paul Frey, Hauptgeschäftsführer der Chemie-Arbeitgeber. Und auch in den Aufsichtsräten von Bayer, Eon sowie RAG Coal International ist Schmoldt ein geachteter Kontrolleur.

Schmoldts pflegeleichte Art macht ihn immer wieder zu einem potenziellen Ministerkandidaten im Kabinett Schröder. Noch wehrt der Gewerkschafter ein solches Begehren, das angeblich von höchster Stelle kommt, ab. Doch vielleicht erhört er irgendwann den Ruf. Für das Gelingen der in Deutschland dringend nötigen Reformen wäre er bestimmt nicht die schlechteste Wahl.


Die 50 mächtigsten Manager

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