Mittwoch, 21. November 2018

Die 50 Mächtigsten Der Herr der Lüfte

Jürgen Weber ist weltweit der dienstälteste Chef einer großen Airline. In zwölf Jahren an der Spitze schaffte er es nicht nur, die Lufthansa durch die Branchenkrise zu manövrieren, sondern baute sich auch ein umfassendes persönliches Netzwerk auf.

Vielleicht hätten sich die "Similauner" besser über Jürgen Weber (61) informieren sollen. Beim letztjährigen Ski-Rennen der illustren Managerrunde in Kitzbühel ließ der erst vor drei Jahren aufgenommene Lufthansa-Chef die altgedienten Mitglieder hinter sich und düpierte auch Gastfahrer Franz Beckenbauer. Kein Wunder: Hatte Weber sich sein Studium der Luftfahrtechnik zum Teil doch als Skilehrer finanziert.

Jürgen Weber: "Ich bin nicht ehrgeizig, nur zäh"
Wahrscheinlich hätte aber auch das Wissen um Webers sportliche Qualitäten seiner Aufnahme nicht im Wege gestanden. Die "Alt-Similauner" Jürgen Schrempp (DaimlerChrysler) und Klaus Zumwinkel (Post, Lufthansa-Aufsichtsrat) können durchaus als Freunde von Weber bezeichnet werden und neiden ihm seine Fitness nicht.

Und auch McKinsey-Legende Herbert Henzler, Verleger Hubert Burda, Ex-Deutsch-Banker Ulrich Cartellieri und Linde-Vorstand Wolfgang Reitzle dürften mittlerweile mehr als nur Bergkameraden geworden sein. Schließlich bleibt neben den Torturen, die Reinhold Messner den Managern auf einer jährlichen Bergtour abverlangt, genügend Zeit für den privaten Plausch.

In der internationalen Luftfahrtbranche ist die Position von Weber sowieso unumstritten. In der Star Alliance gilt er als heimliches Oberhaupt. Nach der Insolvenz des Partners United Airlines wird er jetzt aber zeigen müssen, wie groß sein Einfluss wirklich ist. Das fachliche Rüstzeug, auch diese Krise zu meistern, hat der "Manager des Jahres 1999" und Ehrendoktor der Luft- und Raumfahrtfakultät der Uni Stuttgart auf jeden Fall.

Radeln für krebskranke Kinder

Trotz aller beruflichen Anerkennung und der damit verbundenen Öffentlichkeit der eigenen Person, ist Jürgen Weber immer zurückhaltend geblieben. Der Sieg beim Promi-Skirennen resultierte nur aus sportlichem Ehrgeiz und nicht aus dem Bedürfnis, sein Gesicht in der "Bunten" wieder zu finden.

Nur in einer Angelegenheit "benutzt" Weber, der nebenbei noch in den Aufsichtsräten von Bayer, Allianz Leben, KarstadtQuelle und Thomas Cook sitzt, seinen Prominentenstatus. Seit dem seine Tochter vor 17 Jahren eine Krebserkrankung überstand, setzt er sich zusammen mit seiner Frau Sabine für die Phönikks-Stiftung ein. Diese hat sich die psychosoziale Betreuung krebskranker Kinder zur Aufgabe gemacht. Dafür steigt Weber dann auch bei einer Benefiz-Veranstaltung aufs Fahrrad und nimmt den Medienrummel in Kauf.

Den wird es sicherlich auch am 18. Juni nächsten Jahres geben, wenn Weber auf der Lufthansa-Hauptversammlung vorzeitig vom Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln und die Konzernführung an Wolfgang Mayrhuber übergeben wird. Gute Nachrichten für die Familie, schlechte Aussichten für die Similauner: Da Weber dann nämlich mehr Zeit zum Skilaufen haben wird, dürfte er beim Promi-Rennen am Kitzbüheler Horn wohl zum Seriensieger avancieren.


Die 50 mächtigsten Manager

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