Freitag, 16. November 2018

Die 50 Mächtigsten Der rastlose Banker

Chirurg, Berater, Investmentbanker - Alexander Dibelius ist ein Multitalent. Der Co-Chairman von Goldman Sachs Deutschland gilt als der ausgebuffteste Dealmaker des Landes.

Mit 42 frischen Jahren ist Alexander Dibelius der bei weitem jüngste und wohl auch ungewöhnlichste Vertreter der "50 mächtigsten Manager" Deutschlands. Der ausgebuffte Investmentbanker liebt schnelle Autos und ebenso rasant lebt er. Im jungendlichen Alter von 24 Jahren war Dibelius bereits promovierter Chirurg , dann wechselte er - frustriert von der Krankenhaus-Bürokratie - zur Unternehmensberatung McKinsey, wo er, natürlich in Rekordzeit, zum Partner aufstieg. 1993 kam Dibelius schließlich zur Elitebank Goldman Sachs, deren Co-Chairman Deutschland er kürzlich wurde. Ein Überflieger.

 Alexander Dibelius: "Ich bin für den Generationenvertrag bei Goldman Sachs verantwortlich"
Goldman Sachs
Alexander Dibelius: "Ich bin für den Generationenvertrag bei Goldman Sachs verantwortlich"
Dibelius ist ein einflussreicher Architekt des effizienten Kapitalismus. Die von ihm begleiteten Fusionen oder Konzernverkäufe bereiten das Ende der verkrusteten "Deutschland AG" vor, sie bestimmen das Schicksal von ganzen Konzernen und damit auch von vielen tausend Arbeitsplätzen. Die Klientenliste des unermüdlichen Dealmakers ist lang und prominent: Adtranz, Bayer, Beck & Co., Conti, Dasa, Henkel, KPMG, TUI, Rheinmetall und immer wieder DaimlerChrysler. Die transatlantische Fusion (der sogenannte "Merger of Equals") war sein Meisterwerk. Noch heute pflegt Dibelius mit Jürgen Schrempp eine sehr enge Arbeitsbeziehung.

Verfügt so ein Mann über enorme Macht? Der diskrete Banker Dibelius mag dieses Wort partout nicht hören. Er verfüge über gute Kontakte zu einflussreichen Leuten in der Wirtschaft, relativiert er, mit dem Begriff Macht habe dies nichts zu tun, sondern eher mit den professionellen Dienstleistungen, die sein Haus und er für Kunden leisteten. Dibelius sieht sich eben nicht als Unternehmensstratege und schon gar nicht als CEO. Er sei ein Analytiker, der sich bemühe, die Dinge auf den Punkt zu bringen und anderen Konzernchefs dabei helfe, einen Mehrwert zu schaffen.

Die nächsten fünf Jahre sind verplant

Seine offene und zupackende Art kommt bei den Top-Managern bestens an. Dibelius bereiten soziale Kontakte offensichtlich Spaß und er weiß, mit Menschen umzugehen - auch eine Folge seiner früheren Tätigkeit als Arzt. Seine eigene "Benutzeroberfläche" sei allerdings nicht "einfach", sagt Dibelius.

Chirurg, Consultant, Investmentbanker - kann sich Dibelius vorstellen, wieder einmal etwas ganz anderes zu machen? Ganz ausschließen will er dies nicht. Die nächsten fünf Jahre allerdings sind verplant. Dibelius nimmt seine neue Aufgabe ernst. Er habe Verantwortung für eine Truppe übernommen, die ihm während seiner steilen Karriere unterstüzt habe. Nun möchte Dibelius bei Goldman Sachs eine Plattform bauen, die den jüngeren Leuten ebenfalls helfe, beruflich weit voran zu kommen. "Es gibt eine Art Generationenvertrag in partnerschaftlich organisierten Unternehmen wie Goldman Sachs", sagt er, "und dies sehe ich als meine Verantwortung für die nächsten fünf Jahre."


Die 50 mächtigsten Manager

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