Montag, 17. Dezember 2018

Die 50 Mächtigsten Von den Medien verspottet

Es war nicht das Jahr des Hans-Dietrich Winkhaus. Einst als souveräner Henkel-Chef gefeiert, geriet das Kontrolleurs-Mandat bei der Telekom für den gestandenen Manager zu einem persönlichen Fiasko.

Hamburg - Eigentlich hätte Hans-Dietrich Winkhaus (65) ein versöhnlicheres Ende seiner langen und erfolgreichen Berufskarriere verdient. Immerhin hinterließ der frühere Chef des Chemiekonzerns Henkel Börsen-Chart zeigen in Düsseldorf ein wohlbestelltes und überaus liquides Haus, erteilte in diversen prominenten Aufsichtsräten (Lufthansa Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen, Degussa Börsen-Chart zeigen) wohlbedachten Rat, trat in der Öffentlichkeit meist souverän und entschieden auf - Zweifel an den Führungsqualitäten des agilen Herren mit dem hellen Schopf hatte es also bis dato nie gegeben.

Hans-Dietrich Winkhaus
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Hans-Dietrich Winkhaus
Doch Mitte 2000 übernahm Winkhaus den Vorsitz des Aufsichtsrates der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen. Das war sein Verhängnis, von nun an ging es beruflich bergab.

Plötzlich und ungewollt stand der diskrete Strippenzieher im Rampenlicht der Medien, wurde für den miserablen Aktienkurs und das offensichtliche Abzocken der Telekom-Spitze mit verantwortlich gemacht. Plötzlich präsentierte sich ein anderer Winkhaus, der Kontrolleur war weit überfordert.

Im wochenlangen Sommer-Theater "Wer wird Chef der Telekom?" gab der Regisseur ein klägliches Bild ab. Die Medien verspotteten ihn, und die Großaktionäre im Berliner Finanzministerium schlugen ob dieser Hilflosigkeit die Hände über dem Kopf zusammen.

Zu lange hielt Winkhaus blind an Ron Sommer fest, obwohl der Telekom-Chef seinen Konzern mit überteuerten Akquisitionen in die Schuldenfalle trieb. Anschließend beugte er sich dem Druck von Wahlkämpfer Schröder, der die erzwungene Demission Sommers zum Stimmenfang bei verprellten T-Aktionären nutzte. Und schließlich präsentierte er nach langer Suche mit Kai-Uwe Ricke einen Telekom-Chef, den er längst hätte haben können.

Kein Aufseher eines Dax-Konzerns habe es jemals in so kurzer Zeit geschafft, eine Firma der Lächerlichkeit preiszugeben, schreibt Anne Preissner im manager magazin und prophezeit: "Winkhaus, ade".

"Warum tue ich mir das überhaupt noch an?", wird sich Winkhaus nun denken. Gut möglich also, dass der Telekom-Kontrolleur schon bald sein Amt hergibt. Immerhin bleibt ihm noch sein Mandat im feinen und diskreten Henkel-Gesellschafterausschuss.


Die 50 mächtigsten Manager

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