Montag, 17. Dezember 2018

Die 50 Mächtigsten Den Absprung verpasst

Albrecht Schmidt hat die HypoVereinsbank von der Regional- in die Top-Liga geführt. Zuletzt opferte er den wirtschaftlichen Erfolg der Bank aber seinem persönlichen Machtstreben.

Die Geschichte eines Siegers klingt anders. Albrecht Schmid (64) hätte lieber schon vor zwei Jahren abtreten sollen, kommentierten Branchenkenner die fast schon herbeigesehnte Bennennung seines Nachfolgers Dieter Rampl Ende Oktober. Denn die Bilanz seiner letzten beiden Amtsjahre sei "lausig".

Albrecht Schmidt: Alle Kontrahenten aus dem Weg geräumt
Dabei bietet der Lebenslauf des scheidenden Vorstandsvorsitzenden der HypoVereinsbank (HVB) genug Stoff für ein Heldenstück. Wie ein Bulldozer räumte der promovierte Jurist Widersacher und potenzielle Nachfolger aus dem Weg.

Schon beim Zusammenschluss von Bayerischer Vereinsbank und Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank setzte sich Schmidt gegen seinen Konterpart Eberhard Martini durch, der in den Aufsichtsrat wechselte und im Zuge der Immobilienaffäre im Herbst 1999 von allen Ämtern zurücktreten musste. Während Schmidt die Schlammschlacht überlebte, wurde gegen Martini im August 2001 eine Geldstrafe in Höhe von 700.000 Mark verhängt.

Zimperlich war er nie

Auch beim Umbau des HVB-Vorstands war Schmid, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Börse, Vorstandsmitglied des Bayerischen Bankenverbands und Beirat der Landeszentralbank in Bayern ist, nicht zimperlich. Der ehemalige Privatkundenvorstand Stephan Schüller - zu Zeiten der Börsen-Hausse Aushängeschild der HVB und als Schmidt-Nachfolger gehandelt - wurde im Frühjahr 2001 als neuer Vorstandschef zur HVB-Tochter Vereins- und Westbank nach Hamburg weggelobt.

Noch härter erwischte es Eberhard Rauch. Der langjährige Schmidt-Begleiter gerierte sich wohl etwas zu öffentlich als Kronprinz des HVB-Chefs und wurde im Zuge der Neustrukturierung entmachtet. Rauch zog im November vergangenen Jahres grollend die Konsequenzen und kündigte. Nur wenige Wochen später verließ auch Kapitalmarktexperte Norbert Juchem das Führungsgremium.

Corporate Governance auf Bayrisch

Schließlich musste sich jetzt Kurt Viermetz dem Durchsetzungsvermögen des gebürtigen Leipzigers beugen. Spätestens mit der Hauptversammlung 2003 soll der ehemalige Vorstand von J.P. Morgan den Aufsichtsratsvorsitz für Schmidt räumen. Immerhin verbleibt Viermetz, der 1999 den über den Immobilienskandal gestolperten Klaus Götte abgelöst hatte, der Vizevorsitz.

Ob Schmidt, der neben seinen Mandaten innerhalb der HVB Group auch bei Siemens und HVB-Aktionär Münchener Rück im Aufsichtsrat sitzt, mit dem Wechsel an die Spitze des Kontrollgremiums seiner Bank einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall dreht er eine aus Sicht der Corporate Governance bessere Lösung wieder zurück. Es wäre ja aber nicht das erste Mal, dass Schmidt aus Gründen des Machterhalts einen Fehler begeht.


Die 50 mächtigsten Manager

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