Von Arne Stuhr
Hamburg - Als Michael Otto (60) 1971 zum ersten Mal nach China reist, hat die von Mao entfesselte Kulturrevolution bereits zahllose Opfer gefordert und das Land zum Teil ins Chaos gestürzt. "Die einzige Einreisemöglichkeit war von Hongkong aus mit dem Zug", erinnert er sich im Gespräch mit manager-magazin.de.
Mittlerweile hat der von Asien faszinierte Otto China bereits mehrmals bereist. Demnächst werde er wieder dorthin fliegen, um ein neues Importbüro zu eröffnen. Mao-Bibel und Rote Garden haben spätestens seit Chinas Beitritt zur WTO ausgedient.
Otto - Präsident des WWF-Stiftungsrates und mit der Michael-Otto-Stiftung beim Gewässerschutz in den neuen Ländern engagiert - räumt ein, dass die Umwelt beim wirtschaftlichen Boom in China anfangs zu kurz gekommen sei. "Jetzt ist aber Gott sei Dank ein Problembewusstsein entstanden, das zum Beispiel auch den Ausstoß von Kohlendioxid thematisiert", zeigt er sich für die Zukunft optimistisch. Seine Gespräche mit dem chinesischen Umweltminister hätten ihn in dieser Einstellung bestärkt.
So viel Lob gibt es für die westlichen Nachbarn der Chinesen nicht. "Die Russen haben den Fehler gemacht, sofort zu viel unkontrolliert sich selbst zu überlassen."
Virtuelle Anprobe und Einkaufen am Bildschirm
Bei den eigenen Problemen wird Otto etwas einsilbiger: "Die Restrukturierung unserer Schwesterfirma Spiegel läuft planmäßig. Das dortige Management macht einen exzellenten Job." Immerhin musste der US-Versender, an dem die Familie Otto direkt beteiligt ist, auf Grund fauler Kredite zuletzt Gläubigerschutz beantragen.
Viel lieber spricht der "Manager des Jahres 2001" von den Zukunftsfeldern des Otto-Konzerns, der unlängst den Zusatz "Versand" aus seinem Namen gestrichen hat. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz im Online-Handel um 30 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Otto ist damit hinter Amazon
weltweit die Nummer zwei. Egal ob virtuelle Anprobe, Paketverfolgung per SMS oder Einkaufen am heimischen Fernsehschirm, Otto setzt auf den technischen Fortschritt. In Japan mit Erfolg: Dort verschicken die Otto-Kunden bereits jede dritte elektronische Bestellung per Handy.
Noch aber sorgen andere Geschäftssparten für den Großteil der zuletzt 19,2 Milliarden Euro Umsatz des Konzerns, an dem die "WAZ"-Familien Brost und Funke nach wie vor mit 25 Prozent beteiligt sind. Mittlerweile gehören zum Beispiel auch Schwab, Witt, Heine, Sport-Scheck, Alba Moda und Baur zum Versandimperium. Die Modekette Zara ist ein Joint Venture mit der spanischen Inditex
, der Computergroßhändler Actebis steuert im Jahr fast vier Milliarden Euro zum Umsatz bei, der Lebensmitteldiscounter Fegro & Selgros (gehört zu 50 Prozent der Rewe-Gruppe) knapp 2,5 Milliarden Euro. Die Hanseatic Bank und der hinter der Deutschen Post
zweitgrößte deutsche Paketversender Hermes runden das Portfolio ab.
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