Freitag, 16. November 2018

Nestlé/Ralston Purina Kraftvoll zugebissen

Nachdem die wichtigsten Wettbewerber mit spektakulären Übernahmen vorgeprescht waren, schlug die Nummer eins am Weltmarkt beim führenden US-Futterfabrikanten zu.

Gut gefüttert: Nestlé, im Bild die Frankfurter Dependance, festigt die Poleposition

Hamburg - Wer als Global Player einen Übernahmekandidaten ins Visier nimmt, steuert zumeist auf eine paradoxe Situation zu: Wer Neues kauft, muss Altes verkaufen, lauten die Vorschriften der Wettbewerbskommissionen - jedenfalls, wenn die Marktmacht andernfalls zu dominant werden würde.

Mit dem Dilemma hatte sich im vergangenen Sommer auch der Schweizer Nestlé-Konzern Börsen-Chart zeigen auseinander zu setzen. Für 10,3 Milliarden Dollar wurde der Tiernahrungsmittelhersteller Ralston Purina (Whiskas, Pedigree) aus St. Louis, USA, übernommen. Im Gegenzug veräußerte Nestlé - mit 90 Milliarden Euro Marktkapitalisierung der weltgrößte Lebensmittelkonzern - Tierfutter-Marken in Spanien, Griechenland und Italien.

"Wir stocken auf"

Für Nestlé-Chef Peter Brabeck war es die teuerste Übernahme, seit er 1997 an die Spitze des Konzerns aufrückte. Während Konkurrenten wie Unilever Börsen-Chart zeigen und Philip Morris Börsen-Chart zeigen schon in den Vorjahren große Mitbewerber geschluckt hatten (Bestfoods bzw. Nabisco), hielt sich Nestlé mit spektakulären Aktionen lange zurück.

Den Vorwurf, im Rennen um Marktanteile zurückzufallen, mag Brabeck allerdings nicht gelten lassen: "Wir stocken unsere Beteiligungen seit Jahren in den Sektoren auf, wo wir stark sind", sagt der 56-Jährige. Das sei nicht spektakulär, würde sich aber "sehr schnell" auszahlen.

Ruhe nach dem Sturm

Dasselbe gelte für viele Akquisitionen in Größenordnungen unterhalb von 130 Millionen Euro - das Wachstum in vielen kleinen Schritten lasse sich gut kontrollieren und steuern. Weiterhin verweist Brabeck auf die Effizienz von Kooperationen. "Wir sind nicht Aktionär bei General Mills, Coca-Cola oder L'Oreal, trotzdem habe ich mit allen erfolgreiche Joint Ventures."

Durch die Übernahme von Ralston Purina hat Nestlé allein auf dem US-Markt einen Marktanteil von etwa 60 Prozent bei Katzentrockenfutter und 45 Prozent bei Varianten für Hunde erobert. Dagegen liefen anfangs zahlreiche Landwirtschaftsverbände Sturm, weil sie ein Preisdiktat für die Zulieferbetriebe fürchteten. Nach einer Einigung mit dem "American Antitrust Institute" (Brabeck: "Wir haben durchaus nicht vor, unsere Zulieferer in den Ruin zu treiben."), war der Weg für die Übernahme frei.

Die Pluspunkte der Übernahme

  • Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Marktführerschaft am Tierfuttermarkt. Nestlé belegt weltweit jetzt Rang 2.
  • Professionell durchgeführte, unauffällige Transaktion mit wenig Reibungsverlusten.
  • Nestlé zahlte zwar ein hohes Premium. Analysten und Investoren halten den Aufschlag angesichts der Markenstärke von Ralston Purina aber für angemessen.

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